Cong Su: Cuba libre

Erfurt

Guy Montavons zweiter Kompositionsauftrag für sein neues Haus heißt ambitioniert: «Cuba libre». Das Resultat hat aber mehr mit einem abgestandenen Cocktail als mit Freiheit in der Karibik zu tun. Denn die «Neue Welt Musik», die der Filmkomponist Cong Su schreiben wollte, ist allenfalls eine beliebige Allerweltsmusik. Sie gerät nicht nur wegen der verwendeten Mikroports in Musical-Nähe, «traut» sich die Vorzüge dieses Genres dann aber doch nicht zu nutzen.

Vor allem das Gemisch aus Klischeezitaten, das als «Entlarvungs-Sound» bedeutend tut, bleibt so platt wie sein Vorbild: marschierend skandierende Chöre, die dem Revolutionsführer zujubeln. Dann die Demonstration für ein «freies Kuba», zu der die abtrünnige Cas­tro-Tochter Alina ihre Spitzentöne beisteuert. Dazu kommt eine unsäglich zwischen Zotenreimerei und kitschverdächtigem Pathos stecken bleibende Textgrundlage. Dabei hat es die Vor­lage, aus der Daniel Call das Libretto des­tillierte, durchaus in sich. Reinaldo Are­nas’ Autobiografie «Bevor es Nacht wird» berichtet nämlich von einem Lebensscheitern in tragischem Format: Zunächst auf Cas­tros Seite, wurde der 1943 geborene Kubaner als kritischer Schriftsteller und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 56
von Joachim Lange

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mitterer: Crushrooms

Klänge um uns herum, Worte, live und vom Band, Bilder. Aktion, steil treppauf im Basler Foyer, auf den beiden Galerien, auf dem Flügel, mit klaustrophobischem Charakter in der gläsernen Drehtür und auch draußen, auf dem Theaterplatz, unter Assistenz eines Gabelstaplers mit Aufblendlicht. Und wir mittendrin, pausenlose einundneunzig Minuten und neun Sekunden...

Bonn haut auf den Akustik-Putz

Einmal mehr bringt das Bonner Beethoven-Haus Neues zum «Fidelio» – jedoch nicht in editorischer, sondern überraschenderweise in szenischer Hinsicht. Zu diesem Zweck wurden die Räumlichkeiten der Gedenkstätte um das mittelalterliche Kellergewölbe des Nachbargebäudes («Im Mohren») erweitert. Dort, wo im 18. Jahrhundert die Weinflaschen von Beethovens Großvater ihrer...

Von der Unfreundlichkeit der Welt

Zuerst die Theorie: Wenige Wochen nach UltraSchall, veranstaltet vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, haben die Berliner Festspiele ihre Avantgarde-Konkurrenz MaerzMusik ins Rennen geschickt. Die auch hier gesuchten Neuentwicklungen des Musiktheaters fand man überwiegend im Schwerpunkt Brasilien – einem Land, das musikalisch gemeinhin mit Bossa Nova, allenfalls...