Kulissenzauber

Cilea: Adriana Lecouvreur
Sankt Petersburg | Mariinsky Theater

Wenn Anna Netrebko am Mariinsky auftritt, ist nichts wie sonst. Die Kartenpreise schießen in die Höhe: Mehr als 300 Euro kosten die besten Plätze, derzeit ein durchschnittliches Monatsgehalt in Sankt Petersburg. Stehende Ovationen sind vorprogrammiert, unter einer halben Stunde geht es selten ab. Und während die Besucher sonst auf jedweden dress code pfeifen, werfen sie sich an Netrebko-Abenden in Schale. Die Erwartungen fliegen hoch, ebenso die Kontroversen – die einen sind wild entschlossen, «ihre Anna» auf Händen zu tragen, die anderen hoffen im Stillen, dass sie Schwächen zeigt.

Seit der Star aller Stars (fast) nur noch im Tandem mit Ehemann Yusif Eyvazov zu haben ist, sind die Temperaturen weiter gestiegen: Ist der Tenor-Gatte ihr auf der Bühne ein ebenbürtiger Partner? Hat er das Zeug, mit ihr auf Augenhöhe zu singen?

Allein, am Premierenabend einer Neuinszenierung von Francesco Cileas «Adriana Lecou­vreur» waren es weniger die prominenten Gäste, die das Geschehen dominierten, als vielmehr der hassgeliebte Hausherr. Hat Valery Gergiev für ein Projekt Feuer gefangen, zieht er es an sich, mit aller ihm zu Gebote stehenden künstlerischen Macht. Auf sein Markenzeichen, «laute» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2017
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Aya Makarova

Vergriffen
Weitere Beiträge
Noch mal davongekommen

Es ist gerade mal zwölf Monate her, da drohte das größte Freiluftopernfestival der Welt, seit 1913 ob seiner großartigen Bühnenspektakel gerühmt, unrettbar in den Bankrott zu schlittern. Eine angesichts ungebrochener Popularität paradoxe Situation, die auf das inkompetente Management des Veroneser Bürgermeisters Flavio Tosi und des von diesem engagierten...

Vor Sonnenuntergang

Auch wenn sich die Assoziation nicht unmittelbar anbietet, mussten wir bei Aufführungen von Debussys «Pelléas et Mélisande» oft an Fritz Kortner denken. «Du hättest Zuckmayer heiraten sollen», ätzte dieser einmal, als Gattin Johanna Hofer sich an einem Sonnenaufgang entzündete. Denn das Misstrauen der Intellektuellen gegenüber einem Übermaß an «Natur» ist groß;...

Masken und Metamorphosen

Was würde passieren, striche man, einfach so, in einer Aufführung die letzten Takte des «Tristan» oder die anapästischen Fortissimo-Schläge am Schluss von Strauss’ «Salome»? Rechtschaffene Empörung würde die Verantwortlichen überrollen – zumal in München. Obwohl dort zum Auftakt der Opernfestspiele die vier Schlusstakte von Franz Schrekers Dreiakter «Die...