Chips in der Klosterzelle

Das Teatro Real in Madrid nimmt seinen 200. Geburtstag in den Blick und feiert schon mal mit Wagners selten gespieltem «Liebesverbot»

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Eigentlich ist diese Partitur eine komponierte Frechheit. Wenn Isabella, die weibliche Hauptfigur, sich aufregt («Allegro molto feroce»), dann soll sie innerhalb kürzester Zeit mehr als zwanzigmal das hohe a singen, dazu noch das hohe b und das hohe h – ohne dass die Stimme sich dazwischen entspannen könnte, ohne melodisch zwingende Phrasen. Nicht einmal ein Zwitscherstimmchen könnte das unbeschadet überstehen. Isabella aber soll dramatisch sein.

Eine Brünnhilde, die über die Agilität der Frau Fluth aus Nicolais «Lustigen Weibern von Windsor» verfügt und außerdem noch den lyrischen Schmelz der «Figaro»-Gräfin hat. Eine Killer-Partie. Den beiden Tenören des Stückes geht es nicht viel besser. Der eine soll stimmlich ein jugendlicher Held sein, aber zugleich Belcanto-Flexibilität mitbringen. Der andere wird permanent mit der Übergangslage gequält. Der junge Wagner hatte wirklich wenig Ahnung davon, wie man für Stimmen komponiert, als er sein «Liebesverbot» schrieb. Die Musik klingt melodiös wie ihre italienischen und französischen Vorbilder, aber das Idiom ist nur ungefähr getroffen. Mit den kurz vorher geschriebenen «Feen» hat es erstaunlich wenig zu tun. Wagner probierte sich aus – ...

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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch

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