Chez la Pompadour
Sie war, das lässt sich auch aus der historischen Perspektive kaum anders sagen, eine durch und durch außergewöhnliche Erscheinung – eine Persönlichkeit. Vom lieben Gott gleichermaßen mit Klugheit wie Schönheit und Raffinement im Umgang mit dem herrschenden (männlichen) Personal auf Erden ausgestattet, entwickelte sie sich zu einer der führenden Politikerinnen Europas, obwohl sie das offiziell eigentlich gar nicht sein durfte. Doch der französische Monarch Louis XV.
hörte auf seine (offizielle) Mätresse Jeanne-Antoinette Poisson, verehelichte Le Normant d’Etioles, sei es in privaten wie staatlichen Geschäften. Kurzum: Das Wort der Marquise de Pompadour hatte für zwei Jahrzehnte erhebliches Gewicht in französischen Landen. Und ihre Wünsche, mochten sie noch so extravagant sein, wurden erfüllt.
Jean-Philippe Rameau profitierte davon, denn Madame Pompadour, wie sie noch heute im Volksmund heißt, hatte ein Faible nicht nur für die Philosophie und die Architektur, sondern eben auch für die schönen Künste, insbesondere für die Musik. Ihr fein ausgebildeter Geschmack auf diesem Gebiet ließ sie erspüren, dass Komponisten wie Rousseau und Mondonville durchaus begabt waren, dass aber ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Jan Verheyen
Am schlimmsten trieb es – nein, kein Kritiker. Ein Komponist war’s, wiewohl: ein tief gekränkter. Wer Hugo Wolfs Rezensionen liest, reibt sich verwundert die Augen, derart deftig, geradezu niederträchtig wühlt der Wolf im Schafspelz im Räderwerk der Worte, um den «inkriminierten» Gegenstand in den Orkus zu schicken – und dessen Schöpfer am besten gleich mit. Ein...
JUBILARE
Michail Svetlev kam am 6. März 1943 in Sofia zur Welt. Hier, in der bulgarischen Hauptstadt, betrieb er zunächst theologische Studien. Erfolge bei Gesangswettbewerben ebneten ihm jedoch den Weg zu einer eindrücklichen Laufbahn als Opernsänger. Anfang der 1970er-Jahre war Svetlev Tenor im Ensemble des Gärtnerplatztheaters in München. Bald folgten...
Als 1992 die «Entdeckung» Amerikas durch Columbus 1492 zelebriert wurde, kam Spaniens König Juan Carlos nicht umhin, diese Großtat vollmundig zu preisen: Erst die «hispanidad» habe der «Neuen Welt» mit der spanischen Sprache, dem Katholizismus und der eurozentrischen Kultur, der barocken Architektur wahre Würde verliehen. Doch in Lateinamerika hielt sich die...
