Chaplinesk

Krenek: Der Diktator Weill: Der Zar lässt sich photographieren Dessau / Anhaltisches Theater

Opernwelt - Logo

Was ist denn das für eine Attentäterin? Anstatt das zu tun, wozu sie gekommen ist, nämlich den Diktator umzulegen, lässt sie sich von ihm betören – und wirft sich schließlich sogar in die Schusslinie, als die Gattin des Despoten das vollenden will, was sie nicht konnte. Ernst Krenek hat den nur 30 Minuten langen Einakter «Der Diktator», dessen Handlung seltsam unernst und klamottig wirkt, 1928 geschrieben, kurz nach seinem größten Erfolg «Jonny spielt auf» und fast zeitgleich mit Kurt Weills «Der Zar lässt sich photographieren».

Auch hier soll ein Herrscher ermordet werden, was ebenfalls misslingt – erstaunlich, dass beide Stücke noch nie zusammen auf der Bühne zu sehen waren.

Das Dessauer Kurt Weill Fest hat das jetzt im Schulterschluss mit dem Anhaltischen Theater nachgeholt. «Krenek, Weill und die Moderne» lautet das Motto in diesem Jahr, und in der Tat gibt es einige Parallelen zwischen dem Niederösterreicher Krenek und dem in Dessau geborenen Weill, dessen Heimatstadt sich – mit dem Bauhaus – als Brennpunkt der Moderne versteht: Beide sind Jahrgang 1900, beide experimentieren mit neuen Formen, um die zeitgenössische Musik aus der avantgardistischen Ecke herauszuholen und für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Udo Badelt

Weitere Beiträge
Selten stimmig

Beeindruckend, wie sich das stilistische Bewusstsein für Mozarts Jugendopern entwickelt hat: Noch vor dreißig Jahren musste man sich mit den lauwarmen Aufnahmen Leopold Hagers begnügen, heutzutage wird das Gros der Interpreten den Werken zwischen Spätbarock und Frühklassik gerecht – unbestritten ein Verdienst der historischen Aufführungspraxis. Nicht von ungefähr...

Kapitalsünden

Martin Shkreli – laut BBC der meistgehasste Mann der USA, stets mit einem schmierigen Lächeln im Bubengesicht – pries kürzlich vor Gericht den Turbokapitalismus: «In dem System, in dem wir leben, musst du alles in deiner Macht Stehende tun, um den Gewinn zu maximieren. Das ist Business. Da kannst du keine halben Sachen machen ...». Shkrelis Pharmafirma hatte den...

Rollendebüt

Sechzehn Tage Vorlauf für ein Rollendebüt: Das braucht Mumm. Den bewies Roberto Alagna, als er jetzt an der Metropolitan Opera als Des Grieux einsprang. Jonas Kaufmann hatte sich zur Wiederaufnahme von Richard Eyres fragwürdiger «Nazi meets film noir»-Version der «Manon Lescaut» krankgemeldet. Alagna glückte trotz eines trockenen Vibratos und hörbarer Anstrengung...