Liebeserklärungen

Der amerikanische Jazzpianist Uri Caine hat nicht nur Mozart und Verdis «Otello» adaptiert

Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius Milhaud, Kurt Weill und andere schätzten die motorische Vitalität, die improvisatorische Freiheit der neuen Musik aus der Neuen Welt.

Umgekehrt experimentierten Jazzmusiker mit komplexen Formen, die eher an die strenge Verdichtung des «klassischen» Orchestersatzes als an lockere changes aus der Jazzharmonik denken lassen – etwa der Bandleader Duke Ellington oder der Third Stream-Erfinder Gunther Schuller. Doch die Amalgamierungsversuche verliefen oft im Sande, blieben eher swingendes Missverständnis oder symphonisch aufgeplusterte Behauptung als originelle Bereicherung des jeweiligen Ausdrucksvokabulars. Erst Ende des 20. Jahrhunderts sollte sich das ändern: Seit nicht nur Güter und Ideen, sondern auch musikalische Idiome jedweder Prove­nienz im Turbotempo um den Erdball zirkulieren, sind die Genregrenzen durchlässiger, die ...

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Opernwelt Juli 2008
Rubrik: CDs, Seite 53
von Albrecht Thiemann

Vergriffen