Die feinste Farblasur

Vesselina Kasarovas neue Aufnahme von Rossinis «La Cenerentola»

«Ein großer Schauspieler gewinnt gerade dank der Schminke, der Perücke oder der künstlichen Nase sein eigenes Gesicht», meinte Stanislaw Jerzy Lec. Das ist das eine. Das andere ist das private Gefühl, das einen Interpreten plötzlich überrascht. Vesselina Kasarova passierte dies zum Beispiel bei ­einer Vorstellung von Bellinis «I Capuleti e i Montecchi» in Paris, als sie von der Kraft der Musik momentan so eingenommen war, dass sie beinahe nicht weitersingen konnte. Das hat sie sehr beschäftigt.

«Natürlich muss man die jeweiligen Rollen mit privaten Gefühlen, mit innerlicher Emotion ausstatten, und manchmal scheinen sie einen eben auch zu überwältigen. Aber das Persönliche, Intime ist die letzte, feinste Farblasur in der Zeichnung einer Figur, die ansonsten in groß­­zügigeren Dimensionen angelegt werden muss. Doch mit Letzterem meine ich keineswegs das manieristische Element, das ja auch ein Teil der Oper ist. Aber manieris­tische Posen verhindern die ehrliche Gestaltung», meinte sie damals im Gespräch.
Das war vor zehn Jahren. Hat sich seither etwas geändert? In der vorliegenden Aufnahme von Rossinis «La Cenerentola», dem Live-Mitschnitt eines Konzerts in München, scheint sie aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2007
Rubrik: CDs, Seite 54
von Gerhard Persché

Vergriffen