Aus der Zeit gefallen

Andreas Scholl singt Lieder von Haydn, Mozart, Schubert und Brahms

Eine Schöne Magelone mit Philippe Jaroussky oder eine Dichterliebe mit Max Emanuel Cencic? Das möchte man sich lieber nicht vorstellen. Das Manieristische, Maskenhafte, ­Outrierte eines an der Barockoper geschulten Vokalstils, die penibel einstudierten, inszenierten Posen passen nicht zum Herzweltschmerz der Romantik. Den Affekthaushalt des gepuderten Rokoko-Theaters mag das exaltierte Spiel befeuern wie die kreischende Lust an der Extravaganz einen Tuntenball. Doch später, wenn Werther brennt und blaue Blumen blühen, fließen die Gefühle ohne verzierte Gesten über.

Seit Gluck und Haydn ist nun einmal das Unmittelbare, Unverstellte, die edle Einfalt der ins Offene drängenden Seele Inbegriff des Ausdrucks.

Das Aufbegehren gegen die Herrschaft des Artifiziellen gehört zum Wesen der postbarocken Arien- und Liedkunst. Wer das aus dem Auge verliert, verfehlt etwas Entscheidendes: die Aura einer von innen glühenden, natürlichen Sinnlichkeit. Der Countertenor Jochen Kowalski ist vor Jahren an der Schönen Müllerin gescheitert, weil er Schubert mit dem Segen Händels sang. Hurtig hüpfte er da über Stock und Stein, ein Springinsfeld, den kein Tränenbächlein betrübte. Das klang unverschämt ...

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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Albrecht Thiemann