Delfter Eulen

Christianne Stotijn kombiniert Rares und Preziöses in einem außergewöhnlichen Programm

Dank ihres hohlen Rufs, der wie ein Hilfeschrei verlorener Seelen klingt, spielt die Eule die Rolle als Botin von Ungemach bis ins Triviale hinein; selbst Edgar Wallaces Schwarze Äbte fürchten ihn. Ein Memento-mori-Vogel, aber auch Mittler himmlischer Weisheit. Man denke an die Eule der Minerva, die freilich, so beschrieb es Hegel, ihren Flug erst zur einbrechenden Dämmerung begänne. Christianne Stotijn, die holländische Mezzosopranistin, liebt den Eulenruf, wie sie Wälder zur Dämmerung liebt.

Und wie eine Eule möchte sie mit den ausgewählten Liedern einen «lautlosen Flug zum Unbewussten [...], zu den Grundprinzipien des Lebens» antreten. Das klingt als dramaturgisches Programm vielleicht etwas pauschal, doch die von ihr gewählten Lieder umfassen die ganze Vielfalt von Gebet und Traumgesicht zur Vanitas. Und es findet sich manche seltene Preziose darunter.

Wie etwa das eröffnende «Durch Einsamkeiten» des lange unterschätzten Grazers Joseph Marx (1882–1964), das zu Anton Wildgans’ Text eine surreal-transzendente Landschaft beschwört. Stotijn formt dieses Lied mit dem Bratschisten Antoine Tamestit und dem Pianisten Joseph Breinl zum subtilen Dreigespräch und lässt es in magischer ...

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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Gerhard Persché