Ironisch verrüscht

William Christie und Robert Carsen verhelfen André Campras «Fêtes vénitiennes» an der Opéra Comique zu einem Triumph

Endlose Tonangeln mit einem Puschel am Schluss. Eine Personenrevue ohne durchlaufend-konsistente Handlung. Ein Opernballett-Zwitter vom Schablonenmeister des französischen Hochbarock. Kennt kein Mensch. Und doch brachten es die «Fêtes vénitiennes» des André Campra ab 1710 auf mehr als 300 Aufführungen, wobei das Werk zahllose Umarbeitungen erfuhr. Ein rauschender Erfolg. Und dann ging’s ab in den Keller. Nur von einzelnen Arien und Instrumentalstücken existieren Aufnahmen.

An der Pariser Opéra Comique war die Zeit reif für einen Triumph in Gänze.

Zum 300-jährigen Bestehen des Hauses gönnt man sich, die Regel des Koproduzierens ohne eigenes Orchester zu den eigenen Gunsten auslegend, mit William Christie und Les Arts Florissants Gäste, deren Schliff selbst in den spezialisierten Gefilden der historischen Aufführungspraxis Spitze ist. Und mit Robert Carsen einen Regisseur, der es wie kaum einer versteht, Locken auf der Glatze zu drehen: Je schlechter die Stücke, desto besser seine Inszenierungen.

Carsens Aufführung, fast ganz in Rot getaucht, schickt eine Touristenhorde auf den Markusplatz und nimmt das zum Anlass eines Kostüm-Rollbacks, wie man’s prächtiger und lustiger lange nicht ...

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Opernwelt März 2015
Rubrik: Im Foucs, Seite 12
von Kai Luehrs-Kaiser