Buch des Monats: ORCHIDEE IM EINMACHGLAS
Es ist seltsam. Es ist seltsam, ein Buch in die Hand zu nehmen, dessen Autor vor kurzem erst verstorben ist. Man sieht ihn vor sich, aber man weiß zugleich: Er ist nicht mehr da. Der Verlust, wenngleich kein persönlicher, wiegt schwer. Denn man verdankt diesem Autor (und Regisseur) etliche Stunden der Lust, der Heiterkeit, der politischen Auseinandersetzung, des Nachdenkens.
Nun liest man mit einem Mal (und völlig unvorbereitet), wie er sich in den letzten Jahren seines Lebens gefühlt, welche Kämpfe er ausgefochten hat, was ihm noch wichtig wurde, was weniger, und das mit einer Schonungslosigkeit sich selbst gegenüber, die frappiert.
Am 6. Februar 2022 ist der Menschen(ver)sucher Hans Neuenfels verstorben, wenig später erschien das Buch mit dem wunderbar ehrlichen Titel «Fast nackt». Es war sein Wunsch, dass dieses Buch veröffentlicht wird, wenngleich nicht unbedingt sein «letzter Wille». Neuenfels war sich bewusst, dass der Tod an seiner Tür kratzte. Aber er war immer schon ein Kämpfer für das Leben und das Lebenswerte wie Liebenswürdige daran. Das wird in den Texten, die in diesem Buch versammelt sind, fast kunterbunt und doch einem dramaturgischen Plan folgend, deutlich. ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: CD, DVDs, Bücher, Seite 41
von Jürgen Otten
Wer hätte das gedacht? Eine «Medea» mit glücklichem Ausgang! Georg Caspar Schürmann, Sänger, Librettist, Komponist und seit 1707 Hofkapellmeister in Braunschweig, macht es möglich mit seiner 1720/22 erfolgreich am Hamburger Gänsemarkttheater aufgeführten Oper «Jason oder die Eroberung des Goldenen Vlieses». Nicht Medeas tragisches Ende mit dem Kindermord wird hier...
Sie waren wohl das, was man ein Traumpaar nennt: der Regisseur Luc Bondy und der Komponist Philippe Boesmans. Vier Arbeiten realisierten die beiden fantasiebegabten Naturen, drei davon am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, wo Boesmans seit Mitte der 1980er-Jahre als Hauskomponist wirkte; er schrieb die Musik, Bondy verfasste das Libretto, führte Regie. Und...
Männer in Unterhosen? Es gibt Erbaulicheres. Andererseits muss ein jeder Casanova, um zu seinem erklärten Ziel zu gelangen, diesen Weg der (Selbst-)Erkenntnis zwangsläufig beschreiten. Auch Don Giovanni, edler Herr mit nicht ganz so edlen Absichten, ist im (hier unsichtbaren) Schlafzimmer von Donna Anna anscheinend gerade so weit vorgedrungen, als das empfindsame...
