Trauer und Traute

Brecht/Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
Halle | Oper

Das Publikum wartet schon. Die Chorsänger kommen in den Saal, ganz in Schwarz, mit bitteren Mienen. Jeder trägt eine Urne. Sie setzen sich in die ersten Reihen. An die marmorne Kanzel auf der Bühne tritt Ki-Hyun Park, der Dreieinigkeitsmoses: «Bitte erheben Sie sich!» Die Choristen stehen auf. Jetzt mit Nachdruck: «Bitte erheben Sie sich – alle!». Nun folgt auch das Publikum. Bertolt Brecht rezitiert auf einer alten, knarzenden Tonaufnahme sein Gedicht «An die Nachgeborenen», das mit inniger Hoffnung auf Menschlichkeit endet.

Dieser Abend in der Oper Halle mit Kurt Weills und Brechts Gemeinschaftsproduktion «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» wird kein kulinarischer sein. Eher ein unbequemer. Die Leuchtstoffröhren über der Bühne strahlen auch im Zuschauerraum ihr kaltes Licht aus.

Regisseur Michael von zur Mühlen will etwas anderes als eine deftige Illustration der Geschichte über den katastrophischen Kapitalismus im fiktiven Mahagonny. Dieser Stadt irgendwo in Amerika, wo jeder denkt: me first. Denn dieses Mahagonny ist heute überall präsent. So funktioniert der Regisseur den ersten Akt zur Trauerfeier um. Die Dialoge deklamieren die Sänger einzeln von der Kanzel aus ins ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Nora Sophie Kienast