Bravissima!
Die eine weltberühmt, die andere fast vergessen – dennoch schienen beide Italienerinnen, die am Pfalztheater Kaiserslautern und an der Oper Frankfurt die neue Spielzeit eröffneten, unverkennbar auf einer Wellenlänge zu schwingen: Rossinis erfolgsverwöhnte «L’Italiana in Algeri» und Cimarosas 35 Jahre ältere «L’ Italiana in Londra», die nach der Römer Uraufführung 1778 europaweit Triumphe feierte, ehe sie in der Versenkung verschwand. Beide Opern eint der aberwitzige Humor, der fest in ihre DNA eingeschrieben ist.
Regisseur Andreas Baesler lässt Rossinis Oper im Hafen von Algier spielen: Ein verrosteter Container (mit der Aufschrift «Rossini & Co») ersetzt den Harem. Clanchef Mustafà fläzt auf einem frisch geschmuggelten knallroten Designersofa (noch in Schutzfolie) vor einem großformatigen, mit der letzten Fracht hereingekommenen Fernseher. Über den Bildschirm flimmern italienische Kurvenstars à la Gina Lollobrigida. Die Italo-Manie hat ihn gepackt: Wenn seine Frau ihm im Bild steht, kann er schon mal handgreiflich werden. Statt orientalischer Süßigkeiten gönnt er sich lieber eine Pizza, statt Tee ein italienisches Dosenbier.
Auch der amerikanische Regisseur R.B. Schlather lässt ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Silvia Adler
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Drogenabhängig waren sie alle drei. Doch nicht der Rausch bacchantischer Verzückung war es, nach dem Karl Marx, Richard Wagner und Friedrich Nietzsche trachteten. Der Grund dafür, dass sie zeitlebens, in unterschiedlicher Dosierung, dem Opium zuneigten, war um einiges prosaischer: Es linderte schlichtweg ihre zum Teil extrem schmerzhaften körperlichen Leiden. Und...
Anno Mungen ist nicht der Erste, der sich auf die Suche nach Wieland Wagners Anfängen macht. Seine nüchtern protokollierende Chronik stellt zusammen, was die Fakten hergeben. Hier kann er, gegenüber Brigitte Hamann und Ingrid Kapsamer (deren Monografie er nicht erwähnt), mit neuen Funden aufwarten. Er hat die ungedruckten Tagebücher von Gertrud Strobel, der Frau...
