Bravissima!
Die eine weltberühmt, die andere fast vergessen – dennoch schienen beide Italienerinnen, die am Pfalztheater Kaiserslautern und an der Oper Frankfurt die neue Spielzeit eröffneten, unverkennbar auf einer Wellenlänge zu schwingen: Rossinis erfolgsverwöhnte «L’Italiana in Algeri» und Cimarosas 35 Jahre ältere «L’ Italiana in Londra», die nach der Römer Uraufführung 1778 europaweit Triumphe feierte, ehe sie in der Versenkung verschwand. Beide Opern eint der aberwitzige Humor, der fest in ihre DNA eingeschrieben ist.
Regisseur Andreas Baesler lässt Rossinis Oper im Hafen von Algier spielen: Ein verrosteter Container (mit der Aufschrift «Rossini & Co») ersetzt den Harem. Clanchef Mustafà fläzt auf einem frisch geschmuggelten knallroten Designersofa (noch in Schutzfolie) vor einem großformatigen, mit der letzten Fracht hereingekommenen Fernseher. Über den Bildschirm flimmern italienische Kurvenstars à la Gina Lollobrigida. Die Italo-Manie hat ihn gepackt: Wenn seine Frau ihm im Bild steht, kann er schon mal handgreiflich werden. Statt orientalischer Süßigkeiten gönnt er sich lieber eine Pizza, statt Tee ein italienisches Dosenbier.
Auch der amerikanische Regisseur R.B. Schlather lässt ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Silvia Adler
Der Komponist und der Diktator starben just am selben Tag, dem 5. März 1953. Es erscheint als fiese Ironie des Schicksals, dass Josef Stalin mit seinem finalen Abgang von der Weltbühne Sergej Prokofjew gleichsam die Show stahl. Denn die angeordnete Staatstrauer um den Tod des Massenmörders ließ die Nachricht vom Hinscheiden des freiwillig in die Heimat...
Wie nur wenige Herrscher vor oder nach ihm hat Napoléon Bonaparte Musikgeschichte geschrieben. Musikpolitik war für ihn Machtpolitik, und also versuchte er seinen Ruhm vor allem von der Opernbühne herab zu untermauern, indem er den Franzosen in Gestalt der von ihm favorisierten Komponisten Paisiello, Paër und Spontini den italienischen Geschmack oktroyierte – mit...
Wajdi Mouawad zählt zu jenen überschätzten Regisseuren, die in Frankreich eine ansehnliche Karriere machen. Seit 2016 leitet der 52-jährige, libanesisch-kanadische Doppelbürger das Pariser Théâtre de la Colline, eines der sechs Nationaltheater im Lande, dem mit Alain Françon und Stéphane Braunschweig schon ganz andere Kaliber vorgestanden haben. Als Dramatiker...
