Bonjour Tristesse

Andreas Bauer Kanabas und Daniel Heide mit tristen, schwermütigen Liedern von Schubert

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Stille Nacht. Aber keine heilige. Eher eine traurige. Schon jene fünf Akkorde, mit denen Schuberts Lied «Der Doppelgänger» auf Verse von Heinrich Heine anhebt, verraten viel über die Stimmungslage des einsamen Wanderers, wie wir ihn (und sein meist leises Flehen) schon aus der «Winterreise» kennen. Die Liebste ist unerreichbar fern, das Leben ein einziger vergeblicher Kampf.

Und so schleppt sich eben nicht nur der nächtliche Spaziergänger, sondern auch die Musik schweren Schrittes dahin, von h-moll (im Original) über einen Sextakkord auf Fis-Dur, die Tonika-Parallele D-Dur und den leeren dominantischen Quintklang (wie im «Leiermann») zurück in die Finsternis der Haupttonart.

Daniel Heide, derzeit einer der vorzüglichsten Liedbegleiter, spielt das ganz und gar unpathetisch, wie ein Kondukt. Und auch Andreas Bauer Kanabas findet für die (nächtlichen) Qualen des bedauernswerten bleichen Gesellen den richtigen Ton: traurig-abgründig, aber ohne jede Larmoyanz, eher nüchtern bilanzierend, doch nur bis zu jenen Worten, die dem Gedicht (und auch dem Lied) seinen Namen liehen: «Da steht auch ein Mensch und starrt in die Höhe, / mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe – der Mond zeigt mir ...

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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Jürgen Otten

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