Bloßgestellt
In ihrer Lübecker Mozart-Inszenierung versucht Sandra Leupold ins Szenische zu übertragen, was die Harmonielehre einen Trugschluss nennt: Nachdem die drei männlichen Protagonisten am Ende des Andante Nr. 30 ihr «Così fan tutte» geschmettert hatten, fällt der Vorhang, Guglielmo, Ferrando und Don Alfonso verbeugen sich, und das Saallicht wird eingeschaltet. Ein Trugschluss, wie gesagt: Das eigentliche, das musikalisch so wunderschöne Finale folgt ja noch. Und da fallen die Kleider.
Von den ästhetischen Rokoko-Kostümen (Jessica Rockstroh) bleibt nichts übrig als die nicht durchweg ansehnliche moderne Unterwäsche. Wir haben schon verstanden: Mit der ihnen von Da Ponte und Mozart verordneten Liebesprobe werden die Figuren bloßgestellt; sie sind allesamt Verlierer in diesem bösen Spiel. Das ist schlüssig. Aber keineswegs neu, eher eine mittlerweile schon etwas abgegriffene szenische Metapher. Auch der leere Bühnenraum, Zeitlosigkeit signalisierend, zählt gewiss nicht zu den originellsten Erfindungen der jüngeren «Così»-Exegesen.
Bei der Personenführung dagegen hat die Regisseurin eine glückliche Hand. Das traditionelle Maskenspiel der Opera buffa, ungemein quirlig und mit viel Akrobatik ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhart Asche
Es war ein Risiko, als August Everding den «Lear» des jungen Aribert Reimann an der Bayerischen Staatsoper ansetzte. Hatten nicht Berlioz, Verdi und viele andere Komponisten trotz jahrelangen Ringens ihre «Lear»-Pläne aufgeben? Ausgerechnet dieser Shakespeare als Oper? Trotz der prominenten Besetzung um Dietrich Fischer-Dieskau hätte es ein Flop werden können....
Die wichtigste Sängerin in Verdis Leben nach Giuseppina Strepponi, der ersten Abigaille im frühen «Nabucodonosor», war die aus der Nähe von Prag stammende Teresa Stolz(ová). Bei den Proben zu «Aida», in der sie 1872 die Titelrolle sang, und zur «Messa da Requiem» kam ihr der Komponist so nahe, dass Strepponi, nach langen Jahren als Konkubine schließlich Verdis...
Einer, der aussehe wie Erich Wolfgang Korngold, könne nicht genial sein, soll Karl Kraus geätzt haben. Natürlich nicht in der «Fackel», sondern im Freundeskreis. Und deutlich unter seinem Niveau. Viel Gift spritzte damals über die Marmortische der Wiener Kaffeehäuser in der Auseinandersetzung um diesen Komponisten, der heftig umschwärmt, aber auch verachtet wurde,...
