Black Comedy

Stuttgart, Lortzing: Der Wildschütz

«Wir sind sehr froh», lautet der ironische Slogan, mit dem Nigel Lowery Akteure wie Zuschauer ins böse Spiel stolpern ließ, das er bei seiner Stuttgarter Neu­insze­nierung aus Albert Lortzings komischer Oper herauskitzelte. Das Premierenpublikum war am Ende, dem unwidersprochen heftigen Beifall nach zu schlie­ßen, glücklich – die Akteure auf der Bühne, alle Gefoppte, ja Verletzte in einem Spiel um Sex und Geld, bei dem jeder jeden zu hintergehen sucht, machten immerhin gute Miene und schoben ihr Einverständnis dem lieben Gott in die Schuhe.

«Der Wildschütz» ist zwar kein Welttheater wie Verdis «Falstaff», aber auch keinesfalls das biedere Stück, das man stets in ihm sehen wollte. Dafür sorgt schon Lortzings fein ziselierte, durchgefeilte, rhyth­misch höchst artikulierte Musik, die hörbar (und gekonnt) an Mozarts «Figaro» und Rossinis «Barbier» Maß nimmt. Lowery, Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion, versetzt die Handlung in die Gegenwart – den ersten Akt mit seiner verordneten Fröhlichkeit in eine fernöstlich angehauchte Zwergdiktatur, den zweiten in ein imaginäres Theater auf dem Theater und den dritten ins poppig knallbunte Amüsierviertel einer Groß­stadt. Das hatte Witz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eines Erasbachers glückhafte Reise zur Welt

Nein, in solcher Höhe stand er wohl noch nie. Einhundertfünfundzwanzig Meter über Normalnull, das bietet schon eine beträchtliche Aussichtsplattform. Zumal wenn man, mit etwas Glück und Imaginationsvermögen, bis ins heimatliche Dorf schauen könnte. Doch Christoph Willibald Gluck, seit dem Jahre 1756, dem Geburtsjahr Mozarts, ein echter «Cavaliere dello Sperone...

«Nur der blickt heiter der nach vorders schaut»

«Prima la musica, dopo le parole»? Diese Frage scheint sich bei Dietrich Fischer-Dieskau, der als «extrem textdeutlich» gilt, eigentlich zu erübrigen…
Durchaus nicht, denn das ist für mich bis heute eine der zentralen Fragen des Sängerberufes: Wie schaffe ich es, Töne und Worte, Singen und Sprechen in Einklang zu bringen? Und ich finde, so textdeutlich, wie man mir...

Von der Unfreundlichkeit der Welt

Zuerst die Theorie: Wenige Wochen nach UltraSchall, veranstaltet vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, haben die Berliner Festspiele ihre Avantgarde-Konkurrenz MaerzMusik ins Rennen geschickt. Die auch hier gesuchten Neuentwicklungen des Musiktheaters fand man überwiegend im Schwerpunkt Brasilien – einem Land, das musikalisch gemeinhin mit Bossa Nova, allenfalls...