Bestiaire d’amour
Das Kronentor des Dresdner Zwingers im Logo, war die Firma «Barock» der DDR einziger Hersteller von Tinte. Blauschwarz quoll das Zeug über die Hände tapsiger Jungpioniere, die keine gütige West-Tante und damit einen brauchbaren Pelikan-Füller vorweisen konnten. Ambivalent ist Dresdens Verhältnis zum Barock bekanntlich bis heute: Das Bemühen etwa, Kriegswunden im Stadtbild möglichst unsichtbar zu machen, wird mit Euphorie verfolgt und sorgte rund um die wiedererstandene Frauenkirche für ein bauliches Disneyland.
Unter der neuen, seit 2010 amtierenden Semperopern-Intendantin Ulrike Hessler soll das prunke Zeitalter nun auch musikalisch wieder stärker ins Blickfeld rücken. Was – quasi zum Abschied Gerd Ueckers – mit «Giulio Cesare in Egitto» vor zwei Jahren vielversprechend begann, hat es jedoch bei den an Strauss und Wagner gewöhnten Elbestädtern nicht eben leicht. Bereits die zweite Vorstellung der «Alcina» nach der Premiere Ende Oktober war nur schlecht und recht besucht.
Herrlich anspielungsreich ist das Bühnenbild Ben Baurs: Bei ihm herrscht die Zauberin über ein Freud’sches bestiaire d’amour, das im Zimmerlabyrinth ihres Palastes umhertappt. Magisch verschieben sich die Wände, ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Martin Morgenstern
Acht Personen, die niemals zusammen auf der Bühne stehen: für ein chorloses fünfstündiges Werk bedeutet das durchaus die Konstellation einer Kammeroper, wenngleich das Getöse der Schmiedelieder und das Schlussduett diesen Aspekt konterkarieren und mit den Schicksalswettern der dritten Orchestereinleitung gleichsam die «Götterdämmerung» ernstlich-eschatologisch...
Zuallererst war es eine Sternstunde des Belcanto: «La donna del lago» an der Scala (eine Koproduktion mit der Opéra National de Paris). Hervorragend besetzt mit dem tenore di grazia Juan Diego Flórez und der virtuosen Joyce DiDonato, die als schottische Nixe in der Titelrolle ihre Koloraturen perlen ließ wie kristallklares Highland-Wasser. Zugleich aber wirkte die...
Liebe Gloria Davy, Mitte der 50er-Jahre gastierten Sie in Europa mit «Porgy and Bess». Ich habe 1955 eine der Vorstellungen im Hallenstadion von Zürich erleben können. Wie kam es zu dieser Produktion?
1955 nahte schon das Ende meiner Zeit mit «Porgy and Bess». Im Jahr zuvor hatte ich mich einem Ensemble in Cleveland (Ohio) angeschlossen. Damals ersetzte ich Leontyne...
