Familienbetrieb mit Oberhaupt

Der Job schien aussichtslos: Als Bernd Loebe 2002 die Intendanz der Oper Frankfurt ­antrat, lag das Haus nach vielen Krisenjahren am Boden. Doch schon mit der ersten ­Saison stieg es in der Umfrage dieser Zeitschrift zum «Opernhaus des Jahres» auf. ­Seitdem gehört Frankfurt zu den ersten Adressen der internationalen Opernlandschaft. Ein Wunder ist das nicht. Wie geht man mit Sängern, Dirigenten und Regisseuren um? Wie kommt es, dass Mut zum Risiko von Politik, Sponsoren und Publikum in Frankfurt belohnt wird? Wie findet man den besten Nachwuchs, worauf kommt es in der ­Ausbildung an? Das Mastermind der ­Frankfurter Erfolgsgeschichte im Gespräch

Herr Loebe, die ersten fünf Frankfurter Premieren in Ihrer Verantwortung waren Schuberts «Fierrabras», Brittens «The Turn of the Screw», Schrekers «Schatzgräber», Strauss’ «Frau ohne Schatten» und «Walzertraum» von Oscar Straus. Das Publikum hat diesen Mut offenbar honoriert. Wie haben Sie die Wende geschafft?
Wenn es kritisch wird, ist die Flucht nach vorn das Beste. Nach elf Jahren am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel hatte ich so ein bisschen das Image des Gesangsfetischisten oder Belcanto-Freaks weg – nach dem Motto: in Schönheit sterben.

In Brüssel wurde das, was man in Deutschland unter Musiktheater versteht, ja nur maßvoll praktiziert. Trotzdem haben Regisseure wie Klaus Michael Grüber, Luc Bondy, Willy Decker, die Herrmanns oder Christof Loy, der damals gerade anfing, dort wichtige und wegweisende Produktionen bestritten. Die Entwicklungen in Frankfurt habe ich natürlich aus der Ferne beobachtet – ich bin ja in dieser Stadt aufgewachsen. Als ich dann die Leitung des Hauses übernommen hatte, habe ich zunächst gesagt: Ihr müsst mehr Premieren machen. Da waren die Mitarbeiter zuerst einmal irritiert. Umso mehr, als der erste Spielplan herauskam und der eine oder andere ...

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Opernwelt März 2010
Rubrik: Frankfurt, Seite 16
von Albrecht Thiemann, Stephan Mösch

Vergriffen