Bemühungen um Richard Strauss

Eine neue «Elektra» aus Köln, eine ­historische «Arabella» aus London

Semyon Bychkov hat zu «Elektra», die er 1992 erstmals in Paris dirigierte, eine besondere Beziehung, und es war ihm ein Anliegen, sie unter Bedingungen zu erarbeiten und festzuhalten, die im herkömmlichen Opernbetrieb nicht gegeben sind. Beim WDR bekam er die erwünschte Gelegenheit. Ein halbes Jahr vor den ersten konzertanten Aufführungen konnte er mit den Orchesterproben beginnen, erst sechs Jahre später kam es dann zur Aufnahme, die jetzt in der Profil-Reihe von Hänssler auf CD veröffentlicht wurde.

Wir haben es also mit einer gründlich vorbereiteten und in Ruhe ausgereiften Produktion zu tun. Man hört das vor allem an der orchestralen Detailarbeit. Bychkov nutzt die aufnahmetechnischen Möglichkeiten, um mit der Forderung des Komponisten, das Stück müsse wie Mendelssohn-Elfenmusik klingen, Ernst zu machen. Dennoch ist das Resultat zwiespältig: Wir hören ein fein ausgepinseltes Klanggemälde, aber spüren wenig vom Puls des Dramas, das archaische Wucht mit moderner Psychoanalyse verbindet.
Sicher liegt dieses Defizit auch an der Unfähigkeit der meisten Sänger, die ihnen vom Dirigenten gelassenen Freiräume für stimmdarstellerischen Ausdruck zu nutzen. Ein Ver­gleich mit der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2006
Rubrik: CDs, Seite 58
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ideal für den Sommer

Ein Abend ohne Fußball. Auf den Rasenflächen des Bockenheimer Depots hoppeln Kaninchen. Dreischiffig wie eine Basilika liegt das alte Straßenbahndepot da. Ziegelmauern und eine filigrane, hölzerne Dachkonstruktion. Drinnen eine nach vorn abfallende Holzbühne. Darauf das verkleinerte hölzerne Skelett des Depots. Dahinter ein Sommerhimmel, weißblau (Ausstattung:...

Strauss. Ariadne auf Naxos

Wer hätte das gedacht? Da thematisiert ein Regisseur dezent, aber unübersehbar das Dritte Reich in einer Oper, die vorderhand nichts damit zu tun hat, und es macht, unabhängig von der realen Verstrickung des Komponisten Richard Strauss mit der Nazi-Diktatur, tatsächlich Sinn. Und wer hätte gedacht, dass der heldisch-euphorische Schluss von «Ariad­ne auf Naxos» auch...

Die Welt ist dümmer geworden

Am Montag, dem 12. Juni befand ich mich am frühen Abend mit dem Auto in der Nähe des Holledauer Dreiecks. Links und rechts Hopfenfelder. Um sechs Uhr meldete der Nachrichtensprecher im Radio: «Der Komponist György Ligeti ist heute Vormittag in Wien gestorben. Er war dreiundachtzig Jahre alt.» Die Nachricht wirkte auf mich wie Schock, überwältigend trotz der langen...