Bellini: Norma (Haider)

Filigran gehäkelt. Edita Gruberovas Baden-Badener "Norma" liegt auf CD vor

Opernwelt - Logo

Eine Frau wird zur Erlebnisbaustelle. Das hängt zum einen mit der kniffligen Situation zusammen, in der sie sich befindet: Sie ist gallische Druidenpriesterin und hat zwei uneheliche Kinder von einem Römervater, der nun überlegt, sich mit einer anderen davonzumachen. Zum anderen hat diese Frau jede Menge komplizierter Töne vor der Brust, weswegen die Zahl derer, die der Versuchung erlegen sind, in ihre Rolle zu schlüpfen, auch deutlich größer ist als jenes elitäre Grüppchen, das dieser Partie wirklich gewachsen ist.


Die Frau Norma des Herrn Bellini ist nun mal nicht einfach zu singen und noch weniger leicht zu gestalten. Heroine, Tragödin, Rächerin – allesamt Attribute, die galliges Gift auf den Stimmbändern quasi voraussetzen. Doch nun ist mit der Darstellung Edita Gruberovas die Schallplattengeschichte um ein «Norma»-Kapitel reicher, das diese Figur auch von einer anderen, persönlicheren Seite zeigt und sich zugleich den historischen Wurzeln wieder annähert – was nicht mit Gruberovas Wahl zusammenhängt, die «Casta diva» in dem von Bellini ursprünglich vorgesehenen G-Dur und nicht in dem erst später nach unten verlegten F-Dur zu singen. Das Nur-Dramatische hat in Gruberovas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: platten, Seite 55
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Plauen/Zwickau, Schumann: Der Rose Pilgerfahrt

Was eine Oper sei? Seit den Tagen Monteverdis wird über diese Frage rechtschaffen gestritten; und vor allem die Debatte darüber, ob ein Oratorium fürs Musiktheater tauge oder nicht, hat die Disputanten stets zu neuen Argumenten beflügelt. Im Falle von Robert Schumanns «Der Rose Pilgerfahrt» allerdings schien es bislang Common Sense zu sein, dass dieses letzte der...

Augsburg, Gounod: Roméo et Juliette

Es war sein Einstieg: Frisch aus Klagenfurt engagiert, dirigierte der 29-jährige Ungar Henrik Nánási als neuer Erster Kapellmeister mit «Roméo et Juliette» eine viel versprechende Erstaufführung: Staunenswert, zu welchen Farbmischungen der Bläser und Streicher er sein neues Orchester animierte, wie er Oberstimmen leuchten ließ, Übergänge weich modellierte,...

Waches Auge, offenes Ohr

Gut zwanzig Jahre nach seiner Emigration aus Deutschland besuchte Josef Tal mit seiner Frau Pola erstmals wieder seine ehemalige Heimatstadt Berlin: «Wir nahmen ein Taxi. Ich sperrte meine Augen weit auf – es wurde eine Geisterfahrt. Nach kurzer Zeit sagte ich zu Pola auf Hebräisch: ‹Du, der fährt uns spazieren, um eine größere Zeche rauszukriegen. Den Weg kenne...