Bellini: Norma

Amsterdam, De Nederlandse Opera

Es ist immer ein Wagnis, «Norma» auf den Spielplan zu setzen. Die Titelrolle ist anspruchsvoll, vor allem droht der riesige Schatten von Maria Callas. Besonders gefährlich wird es, wenn man mit diesem Schatten kokettiert. Genau das versuchte Regisseur Guy Joosten in Amsterdam. In seinem Konzept ist «Norma» eine Oper über eine Operndiva. Die gallo-römische Handlung bleibt bloßer Vorwand für die Geschichte einer Sängerin am Ende ihrer Karriere (Norma), ihren treulosen Liebhaber (Pollione) und eine junge Rivalin (Adalgisa).
So weit könnte man gerade noch folgen.

Doch als die Sopranistin Nelly Miricioiu mit Callas-Kleid und Callas-Frisur auftrat, wurde das Konzept schnell peinlich. Zudem hatte Miricioiu stimmliche Probleme: Ihre Ärzte hatten ihr geraten, die Premiere abzusagen. Ganz unabhängig von der Indisposition: Einen Vergleich mit der Ikone Callas kann niemand aushalten. Andere Interpretationen sind nur möglich, wenn man sich vom Callas-Bild der Rolle vehement löst. Miricioiu musste aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und im zweiten Akt durch Lucia Aliberti ersetzt werden. Diese sang am Rande der Bühne, während Miricioiu spielte.
Wie das Konzept Joostens sich entwi­ckelte, lässt ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 56
von Willem Bruls

Vergriffen
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