Beim Wort genommen
Es ist, um das Wesen der Gattung zu erspähen, hilfreich, eine kleine Reise zu unternehmen in jene ferne Zeit, die zumal in deutschen Landen gemeinhin unter dem Rubrum «Die Wilden Zwanziger» Eingang in die Geschichte gefunden hat. Wild, das ist für die Mehrzahl derer, die von dieser Zeit schwärmen, ein nachgerade romantisch verfügtes Synonym für das Ausschweifend-Anarchistische – wobei es weit mehr den sexuellen Kontext bemüht als die politischen, gesellschaftlichen Gegebenheiten.
Zugegeben eine verständliche Ansicht: Natürlich spricht man lieber über die Liebe als über das Leben.
So auch in der Operette. Dass sie, nicht zuletzt in Wien und Berlin, den seinerzeit führenden Kunststädten, eine Blütezeit erlebte, verdankt sich wohl auch der Tatsache, dass man die «leichte Muse» dringend benötigte, um das Schwere besser verdauen zu können. Denn schwer war diese Zeit zwischen zwei Weltkriegen allerdings; existenziell. Die Inflation preschte mit Feuereifer voran, der «Schwarze Freitag» war in der Ferne schon sichtbar wie jener Orkan, der auf Mahagonny zusteuerte. Der nicht eben unbeträchtliche Unterschied: Mahagonny wurde verschont.
Das ist, in groben Zügen, der Kontext, in dem Franz ...
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Vierzig Jahre haben die Berliner Philharmoniker «Die Walküre» nicht gespielt. Seit Karajans epochalem «Ring des Nibelungen» (1966-1970) wechselten nicht nur die Chefdirigenten, sondern auch die Ästhetik des Orchesters hat sich grundlegend geändert. In Karajans Schönklang-Wagner triumphierten vor allem die Violinen, überirdisch schön, über den Rest der Welt. Sein...
Die Hoffnung der Bregenzer Festspiele 1994, Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini» zumindest im Randsektor des internationalen Repertoires einbürgern zu können, hat sich nicht bestätigt. Gerade zweimal ist das schwül-dekadente «Poem aus Blut und Wollust» seither im Register der «Opernwelt» aufgetaucht: 2004 in Macerata und 2006 in Passau. Und das wird sich wohl...
Ist der Mann verrückt? Nein, ist er nicht. Er hat nur einen ausgeprägten Hang zum Abseitigen. Zudem ist er Brite, somit ausgestattet mit einem sehr speziellen Humor; einem Humor übrigens, von dem man sich in deutschen Neue-Musik-Kreisen durchaus eine Scheibe abschneiden könnte. Mit anderen Worten: Sucht man in der europäischen Szene einen Komponisten, der gegen das...
