Bei Daland & Co.
Blutrot schießt die virtuelle Gischt in die Höhe, als die Mannschaft des Holländers, kurz vor dem finalen Showdown, ihr «Johohoe!» anstimmt. Vom Winde verweht ist die eben noch von Cheerleadern und reichlich Dosenbier animierte Partylaune der Belegschaft der Fischfabrik Daland & Co. Während das Schicksal in stürmischen Sechzehntel-Wellen über das feiernde Arbeitsvolk hereinbricht und schon alles wild durcheinander rennt, führen zwei nackte Furien aus dem Corp de Ballet hinter Glas einen erotischen Veitstanz auf.
Merke: Lust und Leid liegen dicht beieinander, wo die Lenden glühen, lodert auch das Höllenfeuer.
Sogar (und gerade) dort, wo sich die Macht des Sexus aufs Oberstübchen beschränkt – wie bei Senta. Natürlich ist ihre Obsession mit dem Holländer ein Hirngespinst. Eine idée fixe freilich, die Senta nach dem Verlust des Angebeteten («Erfahre das Geschick») vollends aus der Bahn wirft. Bis zum zweigestrichenen h treibt Wagner ihre Verzweiflung («Hier steh’ ich, treu dir bis zum Tod!»), bevor sie zum erlösenden Sprung in die Fluten ansetzen darf.
Die psychische und emotionale Energie, die das Projektionsverhältnis zwischen Dalands Tochter und dem Holländer unter Strom setzt, ist ...
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Figaro› wird von Musik-Kennern am meisten geschätzt. An Gedanken-Reichtum gleicht er dem ‹Idomeneo›, an Originalität weicht er keiner anderen». So wusste es vor mehr als zweihundert Jahren Franz Xaver Niemetschek, Augenzeuge der enthusiastisch aufgenommenen Prager Erstaufführung der Oper. Ganz falsch ist das Urteil des ersten Mozart-Biografen auch heute nicht....
Alles ist offen. In der Kleinbürgermietskaserne samt tristem Innenhof fehlen die Wände. Jeder kann jeden sehen. Nur eine hat einen Vorhang, die Kabanicha, unangefochtene Herrscherin über den Block. Eine Domina im doppelten Sinne: Blockwart und sexuelle Herrscherin über Kaufmann Dikoj (Stephen Owen), dem sie mit der Peitsche zu Leibe rückt. Damit die anderen nicht...
Für die gesamte Musik- und Theaterwelt stand fest, dass 1976, zur Zentenarfeier der Bayreuther Festspielgründung wie der Uraufführung des «Ring des Nibelungen», eine Neuinterpretation der Tetralogie anstand. Etwas Sensationelles musste her, Zeitgenossenschaft war gefragt; doch schon witterten die Uralt-Wagnerianer, den Schock von Götz Friedrichs...
