Begrenzt schlüssig
Wenn in Hannover Dalands Schiff und des Holländers Geisterschiff in See stechen, dann heißt es volle Fahrt voraus: Ivan Repušić lässt das Niedersächsische Staatsorchester mit Verve aufspielen. Es gibt zügige Tempi, viel orchestrale Dramatik bläht die imaginären Segel. Wohin die Reise geht, weiß man da noch nicht, denn die Ouvertüre muss nicht gegen eine Bilderflut ankämpfen.
Wenn sich der Vorhang öffnet, erblicken wir ein lädiertes Gebäude, das aussieht, als habe Kapitän Schettino seine «Costa Concordia» gegen eine Landungsbrücke gedonnert.
Was Friedrich Eggert auf die Bühne der hannoverschen Staatsoper gestellt hat, soll aber ein derangiertes Einkaufszentrum sein. Es schadet nichts, wenn man vorab im Programmheft blättert, wo Regisseur Bernd Mottl Deutungszeichen setzt. Das Problem bleibt nur, dass sich manche Idee zwar schlüssig anhört, in der Bühnenrealität aber nur begrenzt funktioniert.
Die beste Idee ist da noch, Senta als Gothic Queen zu verkleiden. Doey Lüthi hüllt die Todessehnsüchtige ganz in Schwarz. Des Holländers Mannen stelzen als Zombies durch die Szene, Dalands Matrosen sehen aus, als kämen sie geradewegs von der Waterkant. Sie schaukeln und schunkeln im dritten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Rainer Wagner
«Ich bin kein rationaler Fotograf», sagt Matthias Creutziger über sich selbst. «Das Emotionale ist für meine Arbeit elementar.» Das Lieblingsfoto des langjährigen Hausfotografen der Dresdner Semperoper ist dafür der beste Beweis: Es zeigt die Mezzosopranistin Iris Vermillion als Penthesilea in der gleichnamigen Oper von Othmar Schoeck – die Inszenierung von Günther...
Je älter er werde, so hat Dmitri Hvorostovsky einmal bekannt, desto näher fühle er sich Russland. Tiefer wolle er eintauchen in die Opernpartien seiner Heimat, zu einem Experten werden. Auch diese CD sollte den Weg dahin bahnen. Doch ob es jemals zu Engagements kommt? Ein Hirntumor zwang Hvorostovsky bekanntlich zum Rückzug von der Opernbühne, eine «Pause» sollte...
Den Biedermann gibt’s immer und überall. Max Frisch karikierte in ihm nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Hörspiel und einer Komödie den saturierten Bürger. Ein halbes Jahrhundert später machte der 1978 in Prag geborene und in Wien lebende Komponist Šimon Voseček daraus eine kleine, handliche Oper, die – 2013 im Wiener Semperdepot uraufgeführt und 2015 in...
