Begrenzt schlüssig
Wenn in Hannover Dalands Schiff und des Holländers Geisterschiff in See stechen, dann heißt es volle Fahrt voraus: Ivan Repušić lässt das Niedersächsische Staatsorchester mit Verve aufspielen. Es gibt zügige Tempi, viel orchestrale Dramatik bläht die imaginären Segel. Wohin die Reise geht, weiß man da noch nicht, denn die Ouvertüre muss nicht gegen eine Bilderflut ankämpfen.
Wenn sich der Vorhang öffnet, erblicken wir ein lädiertes Gebäude, das aussieht, als habe Kapitän Schettino seine «Costa Concordia» gegen eine Landungsbrücke gedonnert.
Was Friedrich Eggert auf die Bühne der hannoverschen Staatsoper gestellt hat, soll aber ein derangiertes Einkaufszentrum sein. Es schadet nichts, wenn man vorab im Programmheft blättert, wo Regisseur Bernd Mottl Deutungszeichen setzt. Das Problem bleibt nur, dass sich manche Idee zwar schlüssig anhört, in der Bühnenrealität aber nur begrenzt funktioniert.
Die beste Idee ist da noch, Senta als Gothic Queen zu verkleiden. Doey Lüthi hüllt die Todessehnsüchtige ganz in Schwarz. Des Holländers Mannen stelzen als Zombies durch die Szene, Dalands Matrosen sehen aus, als kämen sie geradewegs von der Waterkant. Sie schaukeln und schunkeln im dritten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Rainer Wagner
Länger als ein Jahrhundert hat es gedauert. Knapp 127 Jahre sind verstrichen, seit der Komponist letzte Hand an sein Bühnenwerk legte. An eine Oper, die Motive aus dem «Kalevala», dem finnischen Nationalepos, verarbeitet. Und eigentlich schon damals in Turku uraufgeführt werden sollte. Was erst jetzt, im Zuge der Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit Finnlands – erst...
Dietrich Fischer-Dieskau meinte einmal, «Die schöne Magelone» sei eigentlich der schwerste Liederzyklus. Er musste wissen, wovon er sprach, hatte er das Opus 33 von Brahms doch als Zyklus erst durchgesetzt. Was macht die «Magelone» schwer? Vor allem: Sie ist eine Herausforderung an die Physis, entspricht – was den stimmlichen Kraftaufwand betrifft – einer...
«O douce étoile», seufzt Wolfram, während über der Schneelandschaft Sterne flirren. Und die Hauptfigur heißt nicht Heinrich, sondern Henri. «Tannhäuser» auf Französisch? Wagner hatte seine Oper ja selbst für die Pariser Opéra vorbereitet, in einer Übersetzung von Charles Nuitter. Diese Fassung von 1861 gibt es jetzt an der Côte d’Azur zu hören. Im prunkvollen...
