Beeindruckende Materialschlacht
Elf Jahre hat Intendant Jean-Louis Grinda erfolgreich am Ruf der Oper Lüttich als gediegenes, musikalische Akzente setzendes Haus gearbeitet. Nun wechselt er nach Monte Carlo. Szenisch gilt die «Opéra Royal de Wallonie» als wenig innovativ – Reiseunternehmen im Umkreis werben bisweilen offen damit, dass man in Lüttich Oper noch «wie früher» erleben könne.
In der Tat ist es gewöhnungsbedürftig, wenn bei Boitos «Mefistofele», den sich Grinda zum Abschied in einer eigenen Inszenierung gönnt, zum Auftritt der himmlischen Heerscharen eine Hundertschaft weiß gekleideter Chorsänger in den Lüften schwebt, flankiert von kleinen Kindern mit Engelsflügeln. Die naive Gegenständlichkeit streift mehr als einmal die Grenze zum Kitsch, zumal sie mit einem Mangel an stringenter Personenregie einhergeht. Meist stehen die Sänger bei Dialogszenen reglos im Bühnenvordergrund vor einer undurchdringlichen grauen Wand, hinter der sich unauffällig der nächste Großumbau bewältigen lässt.
Dafür kann Grinda in den Massenszenen eine beeindruckende Materialschlacht mit großen Tableaus, exzellenter Lichtregie und opulenten Kostümen entfalten, die ihre Wirkung auch auf den kritischen Beobachter nicht verfehlt. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vierzig Jahre haben die Berliner Philharmoniker «Die Walküre» nicht gespielt. Seit Karajans epochalem «Ring des Nibelungen» (1966-1970) wechselten nicht nur die Chefdirigenten, sondern auch die Ästhetik des Orchesters hat sich grundlegend geändert. In Karajans Schönklang-Wagner triumphierten vor allem die Violinen, überirdisch schön, über den Rest der Welt. Sein...
«Wenn nur meinem Kopf nichts passiert, es sind noch so viele schöne Sachen drin», sagte Rudi Stephan zu seiner Mutter, bevor er sich am 13. September 1915 am Wormser Bahnhof von ihr verabschiedete und sich freiwillig zur Ostfront transportieren ließ. Sechzehn Tage später war er tot, getroffen von der Gewehrkugel eines russischen Soldaten. Mit 28 Jahren war ein...
Was ging Wagner wohl durch den Kopf, als er starb? Vielleicht seine unvollendete Buddhisten-Oper «Die Sieger», die er siebenundzwanzig Jahre zuvor aufgegeben hatte. Das ist der Ausgangspunkt von «Wagner Dream» – ein Stück, das nach der Luxemburger Uraufführung im Rahmen des Holland Festivals in Amsterdam auf reges Publikumsinteresse stieß. Jonathan Harveys neue...
