Baustelle Babel

Elina Garanca und Roberto Alagna suchen an der Met noch den rechten Ton für «Carmen», Yannick Nézet-Séguin am Pult hat ihn bereits gefunden

Die neue «Carmen»-Inszenierung von Richard Eyre ist vielleicht nicht der ultimative Hit, von einer stimmigen, wenn auch nicht übermäßig tiefschürfenden Deutung kann man aber allemal sprechen. Eyre und seinem Team, darunter viele Met-Neulinge, gelang es zunächst einmal, die alte Zeffirelli-Monstrosität mit lebendem Viehzeug und Touristen-Sevilla in den Orkus zu verbannen. Andererseits: Lediglich die attraktiven, durchweg den 1940er Jahren entlehnten Kostüme Rob Howells (nur die Zigeuner waren eher traditionell gekleidet) blieben im visuellen Gedächtnis haften.

Das aus zwei aufgeschnittenen, rotierenden Teilen einer Stierkampfarena montierte Bühnenbild erinnerte an den Brueghel’schen Turm zu Babel; ein Kettenzaun (der für jede Menge außermusikalische Geräusche sorgte) sowie einige wild gezackte, gefährliche Treppen, denen man in Met-Produktionen neuerdings oft begegnet, rundeten das Ambiente ab. Am Ende, gerade hatte José den Mord an Carmen gestanden, setzte sich die Drehbühne in Bewegung – und brachte ein «eingefrorenes» Tableau mit Escamillo und Zuschauern zum Vorschein, die einen getöteten Stier betrachten. Fürwahr ein pathetisches (und aus dem Rahmen fallendes) Schlussbild eines ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 19
von David Shengold, Übersetzung: Albrecht Thiemann

Vergriffen
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