Avanti, Signor Gaetano!
Selbst den alten Wagner hat es schon erwischt, wenn auch fast ein halbes Jahrhundert nach Nikolaus Harnoncourts Revolution in der Vorklassik: «Historisch informiert», diese (inhaltlich sehr dehnbare) Deutungspraxis, dringt immer weiter vor ins 19. Jahrhundert. Davon weitgehend unbeleckt, abgesehen von Vorstößen etwa eines Giovanni Antonini, ist der Belcanto. Vielleicht auch, weil die Orchester und Pultstars dieses Repertoire zuweilen auf die leichte Schulter nehmen und die Opernabende im gefälligen «Hum-ta-ta» abschnurren lassen.
Riccardo Frizza, längst mit Donizetti, Rossini und Bellini vertraut, und das 2017 gegründete Orchester Gli Originali machen sich nun auf zur neuen Klangerkundung samt Partitur-Durchlüftung. Das ist der eine Aspekt von «Signor Gaetano». Der andere, für viele wahrscheinlich wichtigere: Javier Camarena legt damit ein Donizetti-Album vor, das sich beherzt in Randzonen des Meisters vorwagt. Zu seiner tragischen Dogenoper «Marino Faliero» etwa, zum blutigen Eifersuchtsdrama «Maria de Rudenz» oder zur Moliere-Farce «Il giovedì grasso» – um Vokalfetischisten mit Hits aus «Don Pasquale» oder «L’elisir d’amore» zwischendurch Vertrautes zu gönnen. Dass sich ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 20
von Markus Thiel
P = Premiere ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
Hier finden Sie alle Termine (Premieren sowie Repertoirevorstellungen) der Opernhäuser in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Von den anderen Häusern (Grenzländer zu Deutschland sowie Italien und ein paar andere) bilden wir jeweils...
Um diesen Krieg der Königinnen stimmlich angemessen (und) überwältigend in Szene zu setzen, braucht es zwei Belcanto-Kaliber von annähernd identischer Strahlkraft. Zwar ist die titelgebende Maria Stuarda offiziell Donizettis Prima Donna, Elisabetta nur die Seconda, und offenbaren legendäre Besetzungen der Vergangenheit einen gewissen Prominenzvorsprung für die...
Er will sie, er will ihn – und er will alles: So ist Eliogabalo, der ohne Zweifel verrückteste Kaiser im alten Rom. Als 14-Jähriger kam Varius Avitus Bassianus 218 n. Chr. auf den Thron, trieb sein Wesen und tat dies äußerst heftig, wenn auch nur kurz: Vier Jahre nach der Thronbesteigung hauchte er, von der Hand eines Mörders getroffen, sein Leben aus – später...
