Foto: Bregenzer Festspiele/Katharina Fa
(Auto-)Suggestion im Feuchtgebiet
Als gewichtige dramaturgische Instanz steht der himmlische Wetterbeauftragte Petrus an den Seebühnen-Spieltagen immer im Zentrum des Bregenzer Interesses. Ein künstlerisch und administrativ allerdings leider nicht befriedigend kontrollierbarer Faktor.
So kursierte in den Stunden vor der «Carmen»-Premiere, als sich von Südwesten her drohend Wolkenberge türmten, realistischerweise nicht die Prophezeiung «Schönwetter», sondern bloß die bange Frage: Zieht die Gewitterfront weiter vorbei oder trifft sie punktgenau die Südostecke des Bodensees? Nun, sie zog knapp vorbei und führte für die zwei ersten Opernakte heftigen Regen mit sich. Von den 6000 Zuschauern im Areal – Schirme sind hier verpönt – flohen vor der Dauernässe höchstens ein paar Dutzend. Nach der gut zweistündigen Vorstellung (man erlebte «Carmen» mit nicht nur auf die Dialoge beschränkten, schwer zu verschmerzenden Kürzungen) bedankten sich die Veranstalter per Lautsprecher für die Durchhaltefähigkeit des Publikums – Vorarlberger Charme.
Einige ältere Festspielbesucher erinnern sich an abgebrochene oder in das Provisorium des geschlossenen Festspielhauses versetzte Aufführungen (dem Schreiber dieser Zeilen passierte das in ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Hans-Klaus Jungheinrich
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Die wunderbare alte Schauspielerin Maria Nicklisch geriet schier aus dem Häuschen: Heute Abend gehe sie ins Werkraumtheater, dort gebe es «Dickicht der Städte», inszeniert von dem hochbegabten Peter Stein, dem ehemaligen Assistenten von Hans Schweikart und Fritz Kortner. Der sei der Beste. Ja, «Dickicht» war überhaupt umwerfend grandios. Frech, polemisch und...
Zwei Knaben in Kniehosen jagen durchs Schilf. Erklimmen einen Baum, balancieren durchs sumpfige Gelände. In dem Film, mit dem Claus Guth seine «Clemenza»-Inszenierung angereichert hat, erkennen wir das linke Ufer von Glyndebournes Seerosenteich samt den dahinterliegenden Hügeln – und in den Jungs Tito und Sesto. Ihre Kindheitsfreundschaft, die Sesto nach dem...
Auf den ersten Blick ist alles wie immer. Der Abend bleibt trocken, die tiefstehende Sonne taucht Schlosshof und See in surreales Licht, die «Carmen»-Premiere im Heckentheater kann unter freiem Himmel über die Bühne gehen. Trotzdem ist etwas anders. Frank Matthus, Künstlerischer Direktor der Kammeroper, wird 2018 gehen, nach nur vier Spielzeiten. Die Nachricht kam...
