Ausweitung der Gesangszone

Locker vom Hocker: Die Kanadierin Measha Brueggergosman bringt Glitz, Pop und Gefühligkeit ins Opern-Business

Was wäre das für eine Begegnung! Der französische Autor Michel Houellebecq trifft die kanadische Sängerin Measha Brueggergosman. Es wäre der Zusammenprall zweier Denk- und Lebensmodelle, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier der notorische Nihilist, der erst kürzlich wieder (in dem nun auf Deutsch vorliegenden Briefwechsel mit dem Philosophen Bernard-Henry Lévy) klagte, unsere Zeit sei von Depression geprägt und alle, er selbst eingeschlossen, seien depressiv.

Dort die elektrisierende Optimistin, die das Prinzip Lust auf ihre Fahnen geschrieben hat und auch alles dafür tut, dass man ihr das ansieht. Würde Houellebecq sie kennenlernen, dürfte er sich das mit den Depressionen wohl noch mal überlegen. Denn es könnte ihm so gehen wie vielen, die der Sopranistin begegnet sind, auf der Bühne oder im Leben. Seine Depressionen würden von ihrem Lachen (und ein bisschen vielleicht auch von ihrem Dekolleté) einfach in alle Winde zerstreut. Denn dieses Lachen ist so fulminant, so umwerfend, so weithin hörbar (und das Dekolleté so weithin sichtbar), dass selbst der stärkste Skeptiker nicht umhin könnte, sich in einen Epikureer zu verwandeln.

Und also lacht sie, so sie nicht gerade ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Jürgen Otten

Vergriffen
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