Ausser sich

München / Prinzregententheater Donizetti: I pazzi per progetto Strasnoy: Le Bal

Das ist der Stoff, aus dem die Depressionen sind. Neureiche Eltern, Emporkömmlinge, bei denen die Selbstreflexion allerdings nicht Schritt hält mit den wachsenden Renditen. Mama pflegt das Leben als Fassade, der Ehe-Frust sucht sein Ventil im Hyper-Exaltierten. Da bleiben kaum Raum und Liebe für Tochter Antoinette, die unterm Tisch kauert, sich in Irreales ­davonträumt oder dunkle Fantasien hegt. All das bricht auf, als man mit ­einem Ball glänzen will – und nur ein Gast kommt.



«Le Bal», dieser Satire-Tragödie-Mix mit ­einem Schuss Freud, kam 2010 an der Hamburgischen Staatsoper heraus. Oscar Strasnoy, 1970 in Argentinien geboren, vertonte mit Hilfe von Librettist Matthew Jocelyn eine Novelle von Irène Némirovsky. Und die Bayerische Theaterakademie trat nun im Prinzregententheater den Beweis an: Die Farce passt perfekt für eine Ausbildungsschmiede, in der sich Jung-Solisten schließlich auch mit der Moderne befassen müssen, ohne dabei den Spaß zu verlieren.

Munter hat Strasnoy einen Strauß zusammengepflückt vom Folksong über Charleston, Nähmaschinengeräusch, kleine Endlosschleifen und Klang­wetterleuchten in Neonfarben bis zum Mahler-Zitat. Ständig ist diese Musik außer sich (was Ulf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Deutsche Oper: Neues aus der Alten Tischlerei

«Ganzkörperpoeten» nennen sich die Akteure der Berliner Tanz-Performance-Musik-Theater-Truppe Nico and the Navigators. Seit 1998 verfolgen Regisseurin Nicola Hümpel, Bühnenbildner Oliver Proske und das in wechselnder Besetzung auf­tretende Ensemble die Mission, Figuren und Themen der Hochkultur aufs Menschlich-Allzumenschliche herunterzubrechen. Händel und Rossini...

Immer auf Linie

Vor ein paar Jahren fiel Marie-Nicole Lemieux in Glyndebourne auf, als sie die Mistress Quickly in Richard Jones’ Nachkriegs-England-Version von Verdis Falstaff zur umwerfenden Charakterstudie einer ältlichen Lehrerin und Pfadfinderführerin umformte. Doch die junge Kanadierin ist in vielen Stilen und Kostümen zu Hause, was sie mit ihrem Recital mit Arien und Szenen...

Kühler Glanz, neue Glut

Auf ihrem neuem Arienalbum mit dem Allerweltstitel Romantique verbindet Elina Garanca einige Hauptstücke des französischen Mezzo­sopran-Repertoires wie Saint-Saëns’ Dalila-Arie «Mon cœur s’ouvre à ta voix» und Donizettis «Ô mon Fernand» aus La Favorite mit seltener zu hörenden Preziosen wie dem Schlussgesang der Sapho aus Gounods gleichnamiger Oper, der großen...