Ausgebleicht
Das Stück ist sakrosankt, unantastbar. Vollendete Vokalkunst. Und einer der tristesten Klagegesänge der Musikgeschichte. «When I am laid in earth», Didos Weltabschiedsarie, trägt den Schmerz einer ganzen Epoche in sich, ist aber zugleich von einer so ätherischen Schönheit, dass man das Leben im Jenseits fast schon wieder als wunderbar imaginieren möchte. Der Tod als Geschenk.
«When I am laid in earth»: In der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin hören wir dieses Stück, überaus expressiv, vielleicht eine Spur zu pathetisch vorgetragen von Abigail Lewis, und doch ist es ein anderes Stück. Eine Übermalung, die allerdings mehr Aussparung ist; Entfärbung, ja Ausbleichung, so, als sei die Arie mehrfach in der Waschmaschine gewesen. Die Melodie ist, wie sie im Original klingt: schlicht, kantabel, fließend. Verändert sind ihre Kontexte, verändert ist die harmonische Struktur: Dissonanzen haben sich eingeschlichen, Aufrauhungen. Wie Kratzspuren auf vorbarocker Oberfläche, so klingt die Musik jetzt – und damit, wie in die Zeit gekommen, unsere Zeit.
Michael Hirsch hat sich dem Komponisten Henry Purcell für sein Musiktheater in zwei Teilen «Dido» behutsam angenähert. Bekundet seinen Respekt ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Jürgen Otten
HELMUT LACHENMANN
«Das Mädchen mit den Schwefelhölzern», 1997 in Hamburg uraufgeführt und seither vielfach nachgespielt, ist sein erfolgreichstes Werk. Weniger prominent sind die anderen Vokalstücke, die der 81-Jährige geschrieben hat. Was bedeutet ihm die menschliche Stimme? Instrument unter Instrumenten? Ein Gespräch
ARIADNE AM POLARKREIS
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