Aus empathischer Distanz
Die Realität ist bloß eine Illusion, verursacht durch mangelnden Alkoholgenuss», schrieb jemand, der sich auf solche Ausfallserscheinungen offenbar nicht einlassen wollte, an eine Hauswand in der Wiener Innenstadt. Wir wissen nicht, ob der Schreiber irgendetwas mit Oper zu tun hatte; sicher ist jedenfalls, dass er den Signori Cilea, Giordano, Leoncavallo, Mascagni und Puccini mit einer solchen Behauptung nicht hätte unter die Augen treten dürfen, wiesen doch gerade diese Herren der Wirklichkeit eine besondere Rolle zu.
«Heut’ schöpft der Künstler kühn aus dem wirklichen Leben schaurige Wahrheit», verkündet Tonio in Leoncavallos «Der Bajazzo» programmatisch das Anliegen des Verismo. Wobei solche Wahrheits-Schauer zugleich enthüllen, dass es doch wieder nicht die Realität des Alltags ist, sondern eine der Bühne. Also doch Illusion – im Fall von Mascagnis «Cavalleria rusticana» auch mit reichlichem Alkoholgenuss verbunden. Viva il vino spumeggiante!
Der Lava spuckende Ätna auf dem Cover der Neueinspielung dieses legendären Einakters durch Marek Janowski und die Dresdner Philharmonie weckt indes Erwartungen, denen die Aufnahme nicht immer gerecht wird. Janowski, seit Januar 2019 an ...
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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Gerhard Persché
Ferdinando Paër (1771-1839) komponierte als Dresdner Hofkapellmeister fast zeitgleich mit Beethoven eine «Leonora» und wurde kurz darauf von Napoleon nach Paris engagiert, wo er eine ansehnliche Karriere machte. Seine «Agnese», 1809 im Auftrag eines Privattheaters geschrieben und wohl von Dilettanten in Parma aus der Taufe gehoben, war in der Folgezeit auf allen...
Der Satz ist Legende. Vielfach zitiert, je nach Kontext in dieser oder jener Weise gedeutet, von Dialektikern aufgrund seiner Wandelbarkeit hochgeschätzt. Und vielleicht hatte sein Autor genau dergleichen im Sinn, als er im 15. seiner Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» diese kunstvolle Formulierung zu Papier brachte: «Der Mensch spielt nur, wo er...
JUBILARE
Helen Donath absolvierte ihre Gesangsausbildung in ihrer Heimat Texas und in New York, wo sie ab 1958 zunächst als Konzertsolistin auftrat. Drei Jahre später folgte ihr Europadebüt als Mitglied des Opernstudios an der Oper Köln als Wellgunde in Wagners «Rheingold» unter Wolfgang Sawallisch und in der Regie von Wieland Wagner. Die Staatsoper Hannover, wo...
