Aus der Ruhe kommt die Kraft
Dass «Der fliegende Holländer» erst ab 1901 in Bayreuth gespielt wurde, ist kein Zufall. Wagner wollte das, was er als Entwicklung von der Oper zum Musikdrama erstrebt und erkämpft hatte, keineswegs zurückdrehen. Als Nummernoper hatte der «Holländer» wenig mit dem später avisierten Gesamtkunstwerk zu tun. Wenn Wagner mehr Zeit geblieben wäre, hätte er alle seine Stücke für Bayreuth umgeschrieben. So blieb es seiner Witwe Cosima und ihren Kapellmeistern überlassen, zumindest interpretierend aus den Opern «Musikdramen» zu machen.
Man muss sich diesen historischen Vorlauf vergegenwärtigen, um die «Holländer»-Aufnahme unter Hans Knappertsbusch angemessen zu verstehen. Und umgekehrt: Wenn man diesen Mitschnitt von 1955 hört (es war der einzige Festspielsommer, in dem «Kna» das Frühwerk leitete), erschließt sich ganz direkt, was es mit dieser Metamorphose auf sich hatte.
Knappertsbusch hatte noch von Hans Richter und Felix Mottl gelernt. Sein «Holländer» ist nicht einfach nur langsam, er ist vollgesogen mit Urgewalt, mit Schicksalhaftem. Das Meer, man hört es schon bei den ersten akzentdurchsetzten Tremoli der Ouvertüre, kann gar nichts anderes sein als Symbol des Lebens. Was heißt hier ...
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