Aus der Ruhe kommt die Kraft

Hans Knappertsbuschs «Holländer» von den Bayreuther Festspielen 1955.

Opernwelt - Logo

Dass «Der fliegende Holländer» erst ab 1901 in Bayreuth gespielt wurde, ist kein Zufall. Wagner wollte das, was er als Entwicklung von der Oper zum Musikdrama erstrebt und erkämpft hatte, keineswegs zurückdrehen. Als Nummernoper hatte der «Holländer» wenig mit dem später avisierten Gesamtkunstwerk zu tun. Wenn Wagner mehr Zeit geblieben wäre, hätte er alle seine Stücke für Bayreuth umgeschrieben. So blieb es seiner Witwe Cosima und ihren Kapellmeistern überlassen, zumindest interpretierend aus den Opern «Musikdramen» zu machen.

Man muss sich diesen historischen Vorlauf vergegenwärtigen, um die «Holländer»-Aufnahme unter Hans Knappertsbusch angemessen zu verstehen. Und umgekehrt: Wenn man diesen Mitschnitt von 1955 hört (es war der einzige Festspielsommer, in dem «Kna» das Frühwerk leitete), erschließt sich ganz direkt, was es mit dieser Metamorphose auf sich hatte.
Knappertsbusch hatte noch von Hans Richter und Felix Mottl gelernt. Sein «Holländer» ist nicht einfach nur langsam, er ist vollgesogen mit Urgewalt, mit  Schicksalhaftem. Das Meer, man hört es schon bei den ersten akzentdurchsetzten Tremoli der Ouvertüre, kann gar nichts anderes sein als Symbol des Lebens. Was heißt hier ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Medien, Seite 43
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Salzburg in New Mexiko

Als der Dirigent John Crosby (der unter anderem bei Paul Hindemith in Yale studierte) Mitte der 1950er Jahre in der Wüste New Mexicos, ein paar Kilometer außerhalb von Santa Fe, eine Schweinefarm kaufte, wusste er genau, was er wollte. Der passionierte Opernfan ließ dort ein Freilufttheater mit atemberaubendem Blick auf die Jemez Mountains errichten. Das war die...

Glück im Unglück

Für Tschaikowskys Kurzoper «Jolanthe» waren Rolando Villazón und Anna Netrebko im Festspielhaus Baden-Baden wieder einmal als Traumpaar gebucht, ehe der mexikanische Tenor im Februar seinen Auftritt wegen akuter Stimmbandprobleme absagte. Glücklich ist das Publikum nach der glanzvollen Eröffnung der Sommerfestspiele trotzdem geworden. Denn Anna Netrebko setzt nach...

«Irgendwie erfindet man sich immer wieder neu»

Herr Bachler, nach einem Jahr an der Bayerischen Staatsoper: Was hat Sie am meisten überrascht? Was hätten Sie so nie erwartet?
Erstens die unglaubliche Offenheit der Menschen hier. Ich wusste gar nicht, mit wie vielen Konditionen man in Wien lebt. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass man in Wien immer sekundär und tertiär denkt. In München ist alles viel direkter und...