Aus der Händel-Werkstatt

«Floridante» und «Fernando» unter Alan Curtis

Unter den Dirigenten, die sich intensiv mit den Opern Händels beschäftigen, ist Alan Curtis mit Abstand der findigste: Auch wenn mittlerweile eigentlich alle Händel’schen Bühnenwerke auf CD vorliegen, findet der Amerikaner doch immer noch irgendeinen Kniff, der eine Neuaufnahme unter dem verkaufsfördernden Etikett einer «Ersteinspielung» rechtfertigt.

Anders als bei seinem vor Jahresfrist erschienenen «Radamisto» in der Erstfassung von 1720 ist der Novitätswert der jüngsten Curtis-Premiere «Fernando» allerdings eher gering: Die Musik des Stücks ist bis auf einige Rezitative identisch mit der bereits in zwei Aufnahmen vorliegenden «Sosarme», und das aus gu­tem Grund. Vermutlich weil die Handlung des «Fernando» in Portugal, einem engen Verbündeten der britischen Krone angesiedelt ist und die dortigen Monarchen in nicht eben schmeichelhaftem Licht zeigt, verlegte Händel die Szenerie während der Komposition in den (damals) politisch weniger brisanten vorderen Orient. Dass die Story durch die Rückführung auf den originalen Kontext tatsächlich an dramatischer Prägnanz gewinnt, dürfte allerdings vor allem für szenische Aufführungen von Belang sein. Wichtig und willkommen ist die Aufnahme ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: CDs, Seite 60
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial

Ist es Ihnen auch schon oft so gegangen? Man sitzt in einer Aufführung, in der laut Programmzettel deutsch gesungen wird. Trotzdem versteht man kein Wort. Das kann selbst dann passieren, wenn ein Haus sich bewusst für eine deutsche Übersetzung, etwa bei Mozart oder Monteverdi, entschieden hat. Umgekehrt kommen Italiener, die in deutschen Opernhäusern Puccini in...

Wagner: Der fliegende Holländer

Gottfried Pilz verzichtet auf jegliche Örtlichkeit und zeigt Wagners romantische Gespensteroper als  Seelendrama zweier Individuen, die sich aus der Chormasse herauskristallisieren. Auf weißer Bühne, vor weißem Rundhorizont, agieren Menschen in weißer Krankenhauskleidung. Assoziationen an geschlossene Psychiatrie, aber auch an antikes Chordrama stellen sich ein....

Oh Wort, das mir fehlt

Che l’oratione sia padrona dell’armonia e non serva» – diese Forderung Claudio Monteverdis nach Sinnvermittlung stand als das erste Gebot des Gesangs am Beginn der Oper. Die Forderung ist von vielen Komponisten aufgenommen und paraphrasiert worden. Nach bitteren Theatererfahrungen mit sinnlos übersetzten oder nach Sängerlaune entstellten Texten schrieb Richard...