Aus der Fülle
Auch wenn man diese «Parsifal»-Inszenierung zum zweiten Mal erlebt, kann nur ein Bruchteil der ständig flutenden Bilder im Gedächtnis bleiben. Die Zeitreise von der Uraufführung 1882 bis in Adenauers Bundestag ist klarer geworden (sie ist in diesem Jahr durch Flüchtlinge ergänzt, die nach «Ich sah ihn und lachte...» von NS-Soldaten weggeführt werden). Doch sie erscheint auch weniger wichtig, Rahmen nur für die Verästelungen der Ikonografie, des Theaters auf dem Theater, der psychologischen Abhängigkeiten, der gespaltenen und vervielfältigten Figuren.
Dieser Fülle steht, oft einhegend, bisweilen banalisierend, die Tendenz zum Zeigen gegenüber: Das Wort wird Bild, ständig. Und damit sind wir weniger bei der mystischen Erlebnisschicht des «Parsifal» als bei einem riesigen Bühnenbildschirm, der auf verschiedenen Fenstern immer das zeigt, was gerade gesagt, erinnert oder vorausgeahnt wird. Weniger wäre mehr.
Daniele Gatti hat sich weitgehend von den zerdehnten, pseudo-feierlichen Tempi des Vorjahres verabschiedet. Wirklich überzeugend wurde sein Dirigat deshalb noch nicht. Das Vorspiel kam erstaunlich unkonzentriert; bei den Erzählungen des Gurnemanz (souverän im balsamischen Ton, mit ...
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