Aus dem Leben eines Taugenichts
Mist. Es weihnachtet schon wieder. Nicht, dass ich diese Jahreszeit nicht mag. Nur ist für uns Sänger jetzt sozusagen rush hour. Früher hieß Weihnachten für mich vor allem, «Messias» singen. «Messias», «Messias», «Messias», bis zum Abwinken. Ich wette, meine deutschen Kollegen würden dasselbe über das «Weihnachtsoratorium» sagen. Bloß der Satz wäre viel länger.
Als ich anfing, in Übersee zu arbeiten, verschob sich das Problem. Weihnachten hieß nun, ein unfassbar teures Flugticket zu ergattern, um rechtzeitig zum Fest nach Hause zu kommen.
Und dann noch eins, um zur nächsten Vorstellung wieder zurück zu sein.
Das Winterwetter macht alles noch komplizierter. Weiße Weihnachten? Wenn man dank der weißen Plage drei Tage am Flughafen Schiphol festhängt und sich mit der Aussicht konfrontiert sieht, am heiligen Abend allein in einer Wartehalle zu sitzen, als Festmahl vor sich nichts als einen Haufen Erdnuss-Tütchen von KLM, kann man schon mal spontan ein Fan der Erderwärmung werden. Zu Hause in England schneit es ja eh nie. Und wenn doch mal zwei Flocken liegen bleiben, bricht augenblicklich der Verkehr zusammen.
Zweimal habe ich den Weihnachtstag im Flugzeug verbracht, auf Langstrecke. Und ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 69
von Christopher Gillett
Alt-Melomanen schwärmen gern von Mafalda Favero und Tito Schipa, die in den Belcanto-Sendungen von ehedem als Ideal-Interpreten Pietro Mascagnis galten. Ihr schmelzend schönes Kirschenduett aus «L’amico Fritz» hatte historischen Rang. In den späten 60er-Jahren waren es Mirella Freni und Luciano Pavarotti in ihrer ersten Blüte, die das schwebende Auf und Ab der...
Den jungen Cembalisten aus Buffalo traf es wie ein Donnerschlag, als ein Freund ihm 1966 eine Aufnahme von Rameaus «Hippolyte et Aricie» vorspielte. Mit dem English Chamber Orchestra unter Anthony Lewis, Janet Baker sang Phèdre. Für William Christie war das eine Art Erweckungserlebnis oder wenigstens ein Wegweiser. Wenige Jahre später (es sah so aus, als könnte er...
Er atmet schwer, der alte Mann. Einen weißen Leinenanzug hat er angelegt. Als werde es bald Frühling oder Sommer in seinem leeren Lebensabendbunker. Schlurft hierhin, dorthin, hält inne, horcht und blinzelt, ob sich was regt im Halbdunkel zwischen den anthrazitgrauen Wänden. Aber es bleibt still. Kein Laut, nirgends. Nicht mal der schüttere Herbstlaubregen, der aus...
