Aus dem Leben eines Taugenichts
Es ist was Furchtbares passiert. Meine erste eigene Inszenierung hatte Premiere. Natürlich dachte ich, es läuft auf das Übliche hinaus, also ein Ergebnis im Bereich des Mittleren bis Mäßigen oder meinethalben Miesen. Dann könnte ich die Aktion als Abenteuer verbuchen und weitermachen wie bisher: an netten Häusern Randpartien mimen. Und schöne Summen kassieren dafür, dass ich mir gemütlich kaffeetrinkend den Allerwertesten plattsitze, während die Hauptrollen sich ihren aufreißen.
Jetzt geht der meine mir auf Grundeis. Denn dummerweise hat der Abend den Leuten gefallen.
Schlimmer: Ich soll noch mal. Natürlich kann das einfach Pech gewesen sein. Trotzdem muss ich mir jetzt ernsthaft Gedanken machen, ob das eine Perspektive wäre. Und das klingt nach mehr Arbeit, als mir lieb ist. Das Regieführen sowieso – aber auch das Gedankenmachen. Ich kenn mich ja. Das wird ein Vollzeitjob mit Nachtschichten.
Mal ehrlich: Ich dümple hier gemütlich im Herbst meiner Gesangskarriere rum, völlig unbehelligt vom Zwang, große Pläne zu schmieden und mich zu verkaufen. Mein Ehrgeiz schlummert wie warme Kohlen im weichen Aschebett, soll ich die wirklich noch mal anpusten? Schon gut – ich weiß, ich hab mich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 69
von Christopher Gillett
Erfolg macht neugierig. Mindestens. Gelingt einem wie Max Emanuel Cencic denn wirklich alles? Der Countertenor ist ein Prometheus des Barockmusikbetriebs. Ein Interpret, der sein eigener Manager ist und (mit seiner eigenen Firma Parnassus) ganze Produktionen vermarktet. Einer, der sich aussuchen kann, mit welchen Sängern, Dirigenten, Orchestern er zusammenarbeitet....
Fortschritt oder Reaktion, einfach oder kompliziert? (Gewissens-)Fragen, die die Kulturgeschichte durchziehen. Arnold Schönberg, «konservativer Revolutionär», pries Brahms als «the progressive», hielt gleichwohl der Frage, ob er Wagnerianer oder Brahmsianer sei, trotzig weanerisch entgegen: «Ich bin Selberaner.» Und immer wieder erhebt sich das Bild des Januskopfs,...
Impressum
57. Jahrgang, Nr 4
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752288
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 09.03.2016
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
