Aus dem Leben eines Taugenichts

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Neulich musste ich mal eine Gruppe Studenten auf Trab bringen – und war bass erstaunt, wie sorglos da mancher in die erste Probe spazierte. «Auf geht’s!» – «Hast du Töne, Freundchen?» – «Nö». Mann, den Mumm muss man erst mal haben. Mir fehlte der immer. Aber es gibt halt verschiedene Typen. Zeit für einen Psychotest.

1) Sie bekommen die Zusage für eine Rolle. Wie reagieren Sie?
a) Ich posaune das gleich mal auf Facebook herum.

Dann muss ich all die schein-erfreuten Kommentare eifersüchtiger Kollegen liken und beantworten, und schon sind zwei, drei Tage um ... oder auch Monate ...
b) Ich besorge mir den Klavierauszug und verschaffe mir einen gründlichen Überblick über meine Partie, aber natürlich auch über das gesamte Stück, unter reichlicher Verwendung von Bleistift, Neonmarker und Klebezetteln.
c) Ich gehe ins Fitnessstudio. Kondition und eine gute Figur sind das A und O.

2) Die Partitur ist komplex, ein Stück aus dem Kernrepertoire des 20. Jahrhunderts. Wie bereiten Sie sich vor?
a) Ich lade mir eine Aufnahme runter und höre sie beim Wohnungsputz. Wird schon hängenbleiben: Lernen per Osmose.
b) Ich hämmere täglich ein paar Stunden aufs Klavier ein, bis alles niet- und nagelfest sitzt.
 ...

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Opernwelt März 2016
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 79
von Christopher Gillett

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