Aus allen Sternen in die Einsamkeit

Liedkunst vom Feinsten: Ilker Arcayürek und Simon Lepper gehen auf Schubert-Reise, Catriona Morison und Malcolm Martineau durchstreifen spätromantische Traumlandschaften

«Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten.» So heißt es in Rilkes «Herbstgedicht». Der Mann, der sich auf dem Cover des Albums «The Path of Life» an einem überlebensgroßen, hinabfallenden Blatte festhält, als sei’s ein Fallschirm beim Sprung aus solchen Himmeln, ist der marokkanische Fotokünstler Achraf Baznani, der mit seinen Bildern Geschichten über die Unwägbarkeiten des Lebens erzählt.

Ein Mann auf trügerischen Wegen, etwa auch als Seiltänzer, wobei der schmale Pfad doppelt gefährdet scheint – von der einen Seite, mit einer Schere abgeschnitten zu werden, von der anderen, von der Flamme eines Feuerzeugs verbrannt.

Eben diese Gefährdungen sind es wohl, die den feinfühligen Tenor Ilker Arcayürek veranlassten, Baznanis Bilder ins kostbar gestaltete Booklet seiner CD aufzunehmen. Bilder, von denen er und sein feinfühlig aufmerksamer Begleiter Simon Lepper sich zu dieser ganz persönlichen Winterreise inspirieren ließen, mit Schubert als Cicerone. In der Realität kam «Schwammerl» ja über Salzburg, Linz, Graz, Eisenstadt nicht hinaus, allenfalls noch bis ins ungarische Zselic, wo er beim Grafen Esterházy als Musiklehrer wirkte. In seiner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Einfach himmlisch

Würde man zum Pathos neigen, könnte man sagen: Monteverdi war ihr Schicksal. Bei Lichte betrachtet taugte dieser Komponist aber vor allem als Bindeglied zwischen zwei Künstlern, die sich nicht erst seit gestern der enigmatischen Aura seiner Musik verschrieben haben. Erstmals vor zehn Jahren kamen Sonya Yoncheva und Leonardo García Alarcón für ein Monteverdi-Projekt...

Doppelleben

Am Ende sind es 19 Zeilen. Verbreitet auf der Homepage der Metropolitan Opera, garniert mit zwei Videos des Stars. «Unbestreitbare künstlerische Leistungen» werden gewürdigt. Doch dann «geriet seine Beziehung zum Haus aufgrund von Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens ins Wanken, und 2018 wurde er nach einer dreimonatigen Untersuchung durch einen externen Anwalt von...

Westöstliches Licht

Fatma Said hat es mit ihrer ersten Solo-CD «El Nour» – arabisch für «Das Licht» – auf Anhieb in die Klassik-Charts geschafft. Den Erfolg verdankt die junge, aus Ägypten stammende, aber seit zehn Jahren in Deutschland lebende Sopranistin gleichermaßen ihrer künstlerischen Ausstrahlung wie dem west-östlichen Crossover, das programmatisch eine Brücke zwischen Europa...