Aufgeblasen

«Die lustige Witwe» in der Version von Harald Schmidt an der Düsseldorfer Rheinoper

Selten rauschte der Blätterwald so lüstern wie vor dem Regiedebüt des TV-Entertainers Harald Schmidt mit Lehárs «Lustiger Witwe» an der Düsseldorfer Rheinoper. Als «Die Witwenmacher» hatte Schmidt gemeinsam mit seinem Regiekompagnon Christian Brey auf den Premierenplakaten vor einem Lamettavorhang posiert und in zahllosen Interviews teils Verwirrendes zu seiner Rolle im Regieteam, teils Provozierendes zum Besten gegeben.

Von der «Erlösungsqualität der Strumpfhose» war zu lesen und auch: «Nieder mit dem Regietheater!»

Im Interview kurz vor der Premiere erwies Schmidt sich jedoch einmal mehr als Meister der Uneigentlichkeit. Angesprochen auf die Regietheater-Schmähung antwortete er lakonisch: «Das ist natürlich ein Slogan, der google-tauglich ist. Wir machen hier Medienarbeit! ‹Nieder mit dem Regietheater!› ist einfach eine unfassbar populistische Parole, die gern gedruckt und gesendet wird. Wir sind ja sozusagen Zöglinge des Regietheaters, und natürlich ist ein Theater, das nicht von einem guten Regisseur gestaltet ist, nicht anzuschauen.»

Also alles nur ein PR-Trick. Die gewaltigen Erwartungen konnte der bestenfalls mittelprächtige Abend keineswegs erfüllten. Denn Schmidt und Brey ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Regine Müller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ekstasen, Farben – und alles fließt

«Er stürzte sich über mich wie ein wildes, schönes Tier! Er knirschte sich in mich wie ein Blitz in blühenden Baum!» Chawa (=Eva) singt es, und sie singt von Adahm (=Adam), wie er sich einst gebärdete. Jetzt aber, laut Libretto bei Mondlicht und unterm Sternenhimmel, treibt sie es mit ihrem Sohn Chabel (=Abel), und den erschlägt sein Bruder Kajin (=Kain) mit einem...

Lieder der deutschen Romantik

Matthias Goerne hat in seiner Edition von Schubert-Liedern die vierte Folge vorgelegt. Wie schon in den ersten beiden Folgen kombiniert er populäre und unbekannte Lieder zu einer bunten, sehr persönlichen Mischung – diesmal unter dem Titel «Heliopolis» Vertonungen u. a. von Gedichten Goethes, Schillers und Mayrhofers, die sich mehrheitlich, wenn auch nicht...

Erbarmungslos albern

Wie sich doch die Zeiten ändern. Am 20. Februar 1724, jenem Tag, an dem Händels Dramma per Musica «Giulio Cesare» im Londoner King’s Theatre seine Uraufführung erlebte, staunte die feine Gesellschaft nicht schlecht, als der Star-Kastrat Senesino in der Titelpartie über die Vergänglichkeit des Daseins auf Erden sinnierte. Nicht nur der Tonfall des Lamentos...