«Weißt du, was du sah’st?»

Überlegungen, Erläuterungen, Assoziationen zum Bayreuther «Parsifal»-Parcours

Die Kunst ist bestimmt zu beunruhigen; die Wissenschaft macht ­sicher», formulierte einst Georges Braque im Hinblick auf die kubistische Malerei. Ähnliches gilt auch für die Erläuterung eines Theatererlebnisses: Während die Versprachlichung etwas rational sicherstellen kann, ist die eigentliche Erfahrung eine sinnliche Beunruhigung.

Was können wir – Kunst Schaffende und Kunst Rezipierende – tun, damit diese Beunruhigung konstruktiv irritiert und nicht nur verstört? Während man bei einer Bildbetrachtung oder Textlektüre Tempo und Unterbrechungen bestimmen kann, ist bei einer Theatervorstellung und – zeitlich noch präziser – bei einer Opernaufführung der Rhythmus vorgegeben: Es gibt keinen metaphorischen Pausenknopf, keine Zeitlupenwiederholung. Wenn ich im Folgenden in Beschreibungen und Erklärungen einige Sinnbezüge herstelle, so im Bewusstsein, dass diese lediglich wie Trabanten um das Zentrum erlebter Sinnlichkeit kreisen. Ästhetik ist schließlich keine rationale Manifestation von Sinn. Seit Stefan Herheims Diplominszenierung (vor zehn Jahren in Hamburg) pendelt jede unserer Regiearbeiten zwischen sicherstellender Analyse und sinnlicher Beunruhigung, schreibt sich in Adornos ...

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Opernwelt Jahrbuch 2009
Rubrik: Aufführung des Jahres, Seite 18
von Alexander Meier-Dörzenbach

Vergriffen