Auf Nachhaltigkeit angelegt

Die neu gegründete Mitteldeutsche Kammeroper stellt sich mit «Hänsel und Gretel» vor

Mitte März: Spätabends schleicht eine Gruppe junger Menschen durch die ­Luther-Stadt Wittenberg, bepackt mit Beuteln und Taschen, und lässt in jeden verfügbaren Brief­kas­ten ein Stück Papier hinabtauchen. Wer sich am nächsten Morgen dieses Stück Papier zu Gemüte führte, dürfte einigermaßen überrascht gewesen sein. Nicht etwa ein Werbezettel, sondern ein Flyer anderer Art war’s: eine Einladung zu Humperdincks Märchenoper «Hänsel und Gretel». Oper? Ja, Oper. Musiktheater. Eine der ältesten bürgerlichen Kunstgattungen. In Wittenberg eigentlich abgeschafft.


Nun aber wieder da, wie Phönix: Mitteldeutsche Kammeroper Wittenberg heißt die gleichermaßen kunstsinnige wie soziokulturell wertvolle Unternehmung, die sich hinter der Neugründung verbirgt. Hohes Ziel des als gemeinnützi­ger Verein eingetragenen Opernensemb­les ist es, die Musiktheaterkultur in der seit Schließung des Mitteldeutschen Landestheaters Wittenberg 2002 diesbezüglich blindfleckigen Gegend erneut zu beleben. Oder, wie es einer der beiden künstlerischen Leiter, Regisseur Benjamin Sahler, ausdrückt: das Bewusstsein zu wecken dafür, dass Kultur in einer Stadt wie Wittenberg unabdingbar ist.
Einfach war die Unternehmung nicht. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Magazin, Seite 26
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rimsky-Korsakow: Der goldene Hahn

Märchenoper oder politische Parabel? Man ist sich weitgehend einig, dass Rimsky-Korsakow mit der Geschichte vom selbstherrlichen König Dodon das zaris­tische System seiner Zeit treffen wollte. Aber lässt sich das Werk deshalb so mir nichts, dir nichts auf jede andere Regierung übertragen? Andreas Baesler hat in Oldenburg sein Inszenierungskonzept auf die...

Kalafs Halluzination?

Im vergangenen September, angesichts von Peter Konwitschnys szenischer Interpretation des «Eugen Onegin» in Bratislava, hatte ein aus Wien angereister Zuschauer neben mir noch gegreint: «Jetzt kann man hier auch nicht mehr hinfahren.» Sollte der Mann dennoch einen weiteren Versuch gewagt haben, etwa zur «Tu­ran­dot», dürfte Joszef Bednáriks Inszenierung ihm ein...

Spitzentöne aus der Pappkulisse

Das Internet spricht eine deutliche Sprache. Wer sich ein paar Tage nach dem Tod von Birgit Nilsson und Anna Moffo etwa auf der Seite www.youtube.com einklickte, der fand dort nicht nur wunderbare Videoclips diverser lange verstummter Belcanto-Größen von Ettore Bastianini bis Zinka Milanov, sondern ebenso von trauernden Fans frisch hi­nein­gestellte TV-Ausschnitte...