Auf Montage

Mönchengladbach, Maxwell Davies/Verdi/Offenbach/Wagner: Gestrandete Zukünftige

«Horch, horch, seine Stimme! Der Bräutigam!» – Eliza Emily Donnithorne, die von 1826 bis 1886 in Sydney lebte, wartet. Sie tut dies exzessiv. Die Miss, so viel wissen die Zuschauer, wurde am Hochzeitstag von ihrem «Künftigen», einem Seemann, sitzen gelassen. Nun wartet sie auf den Treulosen. Und die Speisen, die Torte warten mit der Braut – und altern mit ihr. Die Tochter eines Richters, so heißt es, lebte zurückgezogen in einem abgedunkelten Haus.

Dort durchleidet sie verschiedene Phasen der Sehnsucht und des Realitätsverlustes, wird schließlich ihrer Lage als alte Jungfer gewahr.

Doch nicht Miss Donnithornes Innenwelt ist in Mönchengladbach zu besichtigen, keine Versuchsanordnung: Alles spielt auf einer offenen Plattform, auf der Christine Graham bald klagend und introvertiert, bald erregt und emphatisch die Linien einer gemäßigt modernen Musik nachzeichnet. Das Drumherum deutet auf Wasser, Meer, Seefahrt. Außer ihr treten noch drei andere Damen auf, Brautfiguren wie sie.

Ausgedacht hat sich den Abend die Regisseurin Amelie Beer. Im Wesentlichen basiert ihre Musiktheatercollage «Gestrandete Zukünftige» auf einer Kammeroper von Peter Maxwell Davies («Miss Donnithorne’s Maggot»), die ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
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