Auf den Spuren Salomes

Marien-Mystik, Sex & Crime, Montagetechnik: Ein Jahrhundert nach der Uraufführung ist das Interesse an Ermanno Wolf-Ferraris «Schmuck der Madonna» neu erwacht

Schließlich hatte es auch Wolf-Ferrari erwischt: Wie 1911 die «Berliner Morgenpost» vermeldete, war nun sogar «der zarte und feine Künstler des musikalischen Rokoko unter die Veristen geraten». Über hundert Jahre nach der Urauf­führung macht dessen wenig zarte Oper «Der Schmuck der Madonna» erneut Furore: Im Mai 2015 wurde sie in Bratislava auf eher traditionelle Weise inszeniert (siehe OW 7/2015), vor wenigen Monaten erschien bei Naxos der Mitschnitt unter dem «dieser Musik hoffnungslos verfallenen» Friedrich Haider.

Im März 2016 stellte Kirsten Harms in Freiburg im Breisgau ihre Lesart des Thrillers «aus dem neapolitanischen Volksleben» vor (siehe OW 5/2016), eine Einspielung soll bei cpo folgen.

Was vermag heute an diesem schrillen Stoff zu interessieren? Der Fokus auf den brutalen «machismo» der Camorra, von der wir wissen (und doch nicht wahrhaben wollen), dass sie längst erfolgreicher agiert als die sizilianische Mafia, indem sie in der Pizzeria nebenan Schutzgelder kassiert, im Fashionshop auf der Flaniermeile das schmutzige Geld wäscht und von den lukrativen Müll-Kreisläufen in ganz Europa profitiert? Die filmisch anmutende Montage bunter Massenszenen mit Großaufnahmen ...

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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 38
von Anselm Gerhard

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