Apropos... Klangrede

Dass Florian Boesch für drei Opernproduktionen der nächsten Spielzeit zugesagt hat – Purcells «Fairy Queen» im Theater an der Wien, Händels «Jephtha» in Amsterdam, Berlioz’ «Damnation de Faust» in Berlin –, ist eine echte Ausnahme. Der Bassbariton brennt für das Lied

Auf der Opernbühne trifft man Sie selten an, Herr Boesch. Woran liegt’s?
Erstens bin ich ein begeisterter Familienvater. Mein eigener war Opernsänger – und viel zu selten zu Hause. Das war für mich keine Option.

Und zweitens?
Bin ich eine totale Mimose. Ich leide unter schlechtem Musiktheater mehr als irgendwer sonst, den ich kenne. Das heißt nicht, dass ich mit Oper grundsätzlich nichts anfangen kann. Ich wähle nur irrsinnig genau aus, was ich mache – und mit wem.

Mit Claus Guth arbeite ich zum Beispiel so gern, weil er die Werke ernst nimmt und zugleich gewissermaßen neu erfindet.

In erster Linie sind Sie Liedsänger. Den Job gibt’s doch eigentlich gar nicht.
Ich hab’s von langer Hand drauf angelegt. Genau wie im Theater muss man sich raufdienen. Bloß fängt man kleiner an, als die meisten sich das vorstellen können. Ich habe jahrelang sozusagen auf jedem Misthaufen einen Liederabend gegeben, wenn man mich nur gelassen hat. Oft für kein oder unfassbar wenig Geld. Es hat mich viel gekostet, an diesen Punkt zu kommen.

Nicht nur Ihr Vater Christian war Sänger, sondern auch Ihre Großmutter Ruthilde. Wann war klar, dass Sie die Familientradition fortsetzen?

Das war überhaupt nicht klar! Es ...

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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Wiebke Roloff

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