Apropos... Improvisation

Der Vater spielt Geige im Kölner Gürzenich-Orchester, die Mutter gab ihr den ersten Gesangsunterricht. Vor allem das Lied hat es ANNA LUCIA RICHTER angetan. Und das Improvisieren. Nun hat die junge Sopranistin einen der wichtigsten Nachwuchspreise gewonnen: den mit 30 000 Pfund dotierten Award des Borletti-Buitoni Trust

Opernwelt - Logo

Wie finden Sie als junge Sängerin bei der Auswahl neuer Stücke oder Partien die Balance zwischen Kopf und Gefühl?

Das ist immer wieder schwer. Ich folge bei jeder Anfrage bestimmten Parametern, dazu zählen Fragen wie: Passt das stimmlich zu mir? Oder laufe ich Gefahr mich zu verheizen? Kann ich das auch singen, wenn ich nicht hundert Prozent fit bin? Wer sind die musikalischen Partner? Auf der Bühne: Kann ich die Figur überzeugend verkörpern?

Haben Sie schon nein gesagt?
Eine Partie, die ich erst seit Kurzem auf der Bühne singe, ist Pamina.

Vor zwei oder drei Jahren hätte ich sie noch abgelehnt. Ich wusste, dass das zu früh gewesen wäre. Nun singe ich sie in Essen. Ich habe immer ein Klangideal im Kopf, wie eine bestimmte Musik mit meiner Stimme klingen könnte.

Was heißt «Natürlichkeit» beim Singen?
Natürlichkeit in der Interpretation basiert auf genauer Textkenntnis. Es bedeutet in erster Linie: Verzicht auf alles, was auf Effekt zielt. Natürlichkeit heißt aber auch, dass das Publikum den Gesang unmittelbar nachvollziehen kann. Dazu gehört die Reduktion. Gerade im Lied gibt es viele Möglichkeiten der Darstellung. In einer einzigen Zeile können drei Wörter stehen, die man am liebsten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Christoph Vratz

Weitere Beiträge
Drei Hochs auf Jean-Philippe Rameau

Bis auf «Platée», das beliebte Ballet bouffon, tauchen Rameaus Werke nach wie vor selten in den Spielplänen auf. Diskografisch steht seine Sache aber gar nicht schlecht – eine Nachwirkung des 250. Todestags 2014. Drei Neuerscheinungen der letzten Monate verdienen Beachtung.

In «Castor et Pollux» (gespielt wird die prologlose Version von 1754) lassen Raphaël Pichon...

Sittenbild mit Löwe

Der Untergang des Dogen Foscari sei eine Metapher für den Verfall der Stadt Venedig – so ließ sich Regisseur Alvis Hermanis über sein neuestes Projekt vernehmen. Interessantes Konzept. Wenn sich da nicht eine historische Unstimmigkeit eingeschlichen hätte: «I due Foscari» spielt im Jahre 1457. Zu diesem Zeitpunkt aber stand Venedig noch auf der Höhe seiner...

Hundsgemein?

In der Kurzgeschichte «Dog Days» erzählt US-Autorin Judy Budnitz auf nicht einmal acht DIN A4-Seiten vom Zerfall aller staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung. Das Desaster schleicht sich an mit Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit, es folgen Obdachlosigkeit und Flucht. Nach und nach bricht die Versorgung mit Strom, Kraftstoff, Lebensmitteln ein, während...