Apropos... Hexen

Mit bösen Frauen hat Doris Soffel Erfahrung: Die Amme in Strauss’ «Frau ohne Schatten», die Herodias in der «Salome» und die Kabanicha in Janáceks «Katja» gehören zu den Bühnen­erfolgen der Mezzosopranistin. Nun wagt sie sich an eine echte Hexe: Am Brüsseler Théâtre de la Monnaie debütiert sie als Jezibaba in Dvoráks «Rusalka». Premiere von Stefan Herheims Inszenierung ist am 5. Dezember.

Frau Soffel, eine Hexe zu singen, ist für eine Sängerin auf den ersten Blick nicht besonders reizvoll. Was lässt sich da außer Keifen und Zaubersprüche Murmeln überhaupt noch machen?
Moment, scheren Sie bitte nicht alle Hexen über einen Kamm. Die Hexe aus «Rusalka» hat für mich überhaupt nichts mit Humperdincks Knusperhexe zu tun, die konkurrenzlos fünfhundert Jahre lang in ihrem Wald vor sich hinkocht. Ich habe in der Jezibaba etwas ganz Wildes, Archaisches gefunden, das mich eher an Rollen wie Verdis Azucena erinnert.

In der «Rusalka» ist sie doch so etwas wie eine Gegenspielerin des Wassermanns: Er steht für das Wasser, sie für das Feuer.

Auf der Bühne sieht man aber meist doch nur eine bucklige alte Frau mit fetter Warze auf der Nase.
Das ist bei Stefan Herheim zum Glück anders. In seiner Inszenierung bin ich eher eine Außenseiterin, die früher bessere Tage erlebt hat und inzwischen auf der Straße lebt. Eine gescheiterte Existenz eben, die eigentlich nicht böse ist und Rusalka erst mal zu helfen versucht. Außerdem müssen Hexen nicht unbedingt alt sein. Ich habe mir bei der Jezibaba immer die Hexe Ursula aus Walt Disneys «Arielle» vorgestellt: keinen kessen Feger mit Abendkleid ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2008
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Hirnkammerflimmern

Mit ihrer Ansicht über die wahren Antriebsgründe menschlicher Entscheidungen hält Maria de Alvear nicht hinterm Berg: Ist schon der Titel ihrer neuen Kammeroper «Colourful Penis» einigermaßen explizit, wird die Spanierin im Beiheft der Uraufführung bei den Dresdner Tagen für zeitgenössische Musik noch deutlicher: Die Sexualität, schreibt sie, sei der mehr oder...

Hintergründiges Vergnügen

Der Jubel kannte keine Grenzen. Als im April 1972 an der Bayerischen Staatsoper ein neuer «Rosenkavalier» in der Regie von Otto Schenk herauskam, schrieb Imre Fabian in dieser Zeitschrift: «Die Sensation dieser Premiere hieß Carlos Kleiber» (siehe OW 6/1972). Die Produktion war opulent besetzt: Gwyneth Jones sang die Marschallin, Karl Ridderbusch den Ochs, Lucia...

Zurück zur Tradition?

Es ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen für den Kulturbetrieb, dass die Debatten um die großen Institutionen primär den Namen gelten. Aus der Sache heraus wird selten argumentiert. Stattdessen erhält die obligate Frage: Wer wird’s? immer mehr Gewicht. Noch bei der Soap Opera um die Bayreuth-Nachfolge konnte man sich kaum des Eindrucks erwehren, dass es nicht in...