Anwalt der Randfiguren
In Stendhals «Vie de Rossini» von 1823 steht der Satz «Réfléchir sur les beaux-arts, fait sentir» – Nachdenken über die schönen Künste macht fühlen. Der Gedanke könnte vom Publizisten Uwe Schweikert stammen, von 1971 bis Ende 2003 Lektor des Metzler-Verlags, seit 1992 dort verantwortlich für ein exquisites Musikprogramm, und seit vielen Jahren Mitarbeiter der «Opernwelt». Der gebürtige Stuttgarter, Jahrgang 1941, hat einmal in einer Podiumsrunde zum Schreiben über Musik gesagt: «Wir sind durch Urteile und Vorurteile konditioniert – das beunruhigt mich.
» Schweikert nimmt sich deshalb Denktraditionen und Wertungen vor, untersucht sie auf ihre Triftigkeit, benennt kritisch die Tücken falscher Setzungen und macht sich gegebenenfalls von Grund auf daran, Werke und ihre (Zeit-)Bedingungen genauestens zu untersuchen.
Als Philologe bezieht er sich selbstverständlich zuerst auf die Primärquellen. Konzentriert, die Brille auf die Stirn geschoben, dicht am Papier, richtet er das Auge auf Noten und Texte. Ihm käme es nicht, wie etlichen Kollegen, in den Sinn, die Uraufführung einer Oper zu besprechen, ohne vorher die angeforderte Partitur studiert zu haben. Doch bleibt ein Rest an Unsagbarem. ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Götz Thieme
Das «Rheingold» wird in diesem Jahr bei den Bayreuther Festspielen endlich einmal am Wasser stattfinden, wenngleich nicht am Rhein, sondern nur am kleinen Teich im Festspielpark. Und auch die Musik für die Inszenierung des Puppenspielers und Regisseurs Nikolaus Habjan wird nicht von Richard Wagner sein, sondern vom zeitgenössischen Komponisten Gordon Kampe. Nachdem...
Corona stellt insbesondere musikstudierende Personen vor große Herausforderungen. Ich bin Dirigierstudent im vierten Semester Bachelor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden und Komponist. Vor allem das Dirigierstudium ist von den Einschränkungen betroffen, da eine Abhängigkeit von einem großflächigen Kontakt mit Menschen durch das Orchester...
Die Provokation war evident, ästhetisch wie ideologisch. Heiner Müllers «Sechs Punkte zur Oper», zwei Jahre nach der Uraufführung von Paul Dessaus Musiktheater «Lanzelot» auf ein Schauspiel von Jewgeni Schwarz formuliert, trafen ins Mark eines Staates, der sich von Anbeginn an nicht sicher war, wie er mit seinen Künsten zu verfahren hatte. Das bewies schon allein...
