Ansteckungsgefahr

Inspiriert von Strauss’ «Capriccio» wagen sich Jugendliche am Theater an der Wien an die Uraufführung einer selbstentwickelten Oper. Ein Probenbesuch

Mit ohrenbetäubendem Kreischen stürmt eine Gruppe Jugendlicher in weiß-blau gestreiften Badekappen die Bühne, unter dem donnernden Stakkato eines Pianos. Sie posieren. Sie grimassieren. Dann singen sie. Im kleinen, von Leuchtröhren erhellten Chorsaal im vierten Stock des Theaters an der Wien hat das Team um das Regie-Duo Catherine Leiter und Beate Göbel alle Hände voll zu tun: die erste Probe im Kostüm. Alle Beteiligten haben anstrengende Monate hinter sich. Schließlich gilt es, eine nagelneue Oper aus der Taufe zu heben.



«Capriccioso oder Die Launen der Oper» handelt – in Anlehnung an Strauss’ «Capriccio» – von einer Adelsfamilie, die bei der Vorbereitung einer musikalischen Geburtstagsüberraschung in eine Debatte über die Bedeutung von Text und Musik in der Oper und die Rolle der Kunst in der Gesellschaft gerät. Vertreter verschiedenster musikalischer Stoßrichtungen treffen hier aufeinander – Zwist vorprogrammiert. Dabei orientiert sich zwar das Sujet an Strauss’ Konversationsoper, nicht aber die Partitur – obwohl es, was Anleihen aus der Musik­geschichte betrifft, ansonsten «ziemlich wild zugeht». Florian C. Reithner, der das Stück in enger Abstimmung mit den jungen Darstellern ...

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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Aus der Werkstatt, Seite 49
von Martin Knuhr

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