Amor, Outlaws, Fiakerkutscher
Die philosophische Welt feiert in diesem Jahr den 300. Geburtstag von Jean-Jacques Rousseau. Der Prediger des Natürlichen hatte zwei Gegenspieler: als Philosophen den brillanten Voltaire, als Musiker den gelehrten Jean-Philippe Rameau. Dessen Opernerstling «Hippolyte et Aricie» stand im Palais Garnier auf dem Spielplan. Rameau schrieb ihn 1733 im Alter von fünfzig Jahren. Eine Schäferposse, wie sie Rousseau erdachte, war seine Sache nicht. Rameau betrat die Opernbühne mit einer fünfaktigen Tragédie lyrique in den Spuren von Jean-Baptiste Lully.
Erhabenes in Götter- und Menschenwelt, Spielorte sind Himmel, Hölle und der Wald von Erymanthos. Schwere Kost, die in Paris jedoch von Ivan Alexandre mit einer wunderbaren Leichtigkeit in Szene gesetzt wird. Auge und Ohr werden aufs Schönste gefesselt. Das beginnt bei den von Antoine Fontaine gestalteten Schiebekulissen und Illusionsmalereien und endet beim Orchestre d’Astrée, das unter der Leitung von Emmanuelle Haïm ebenso kraftvoll und agil wie fein ziseliert spielt. Rameaus Partitur gleicht einem Füllhorn an Ideen und Farben: schmeichelnde Ariosi, packende Arien, rasante Fugen, dazu Apartes von Flöten, Fagotten und zwei Musettes.
Ein ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Mathias Nofze
Die Sache lässt ihn einfach nicht los. Was tun mit Monteverdis perfide schillernder «Poppea»? Wie sollen wir es halten mit einem Stück von Shakespeare’schem Format, das nur skizzenhaft, in zwei unterschiedlichen Manuskripten (Venedig und Neapel) überliefert ist und vermutlich mindestens drei weitere Autoren (Cavalli, Ferrari, Sacrati) hat? Schon einmal, gegen Ende...
Antonín Dvorák durchlebte in seinen drei überaus erfolgreichen und fruchtbaren Jahren in Amerika auch eine Phase der Depression, die auf finanzielle Sorgen (infolge einer Wirtschaftskrise blieben seine Honorare aus) und Todesfälle im Freundes- und Familienkreis zurückzuführen war. Hinzu kamen Anfälle von Heimweh. Dies alles veranlasste den gläubigen Komponisten,...
In der 41. Minute passiert es dann doch. Das vorher ziemlich brave Ulmer Publikum revoltiert kurz, aber herzhaft. «Des isch kei Kunscht», brüllt eine enervierte Dame, die gleich darauf mit ihrem Begleiter polternd den Saal verlässt. Weitere Zwischenrufe folgen, es gibt größere Abwanderungsbewegungen. Schon erstaunlich, wie John Cage, dessen hundertsten Geburtstag...
